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«Ist es heutzutage ethisch vertretbar, religiös zu sein?»

Frau blickt zuversichtlich nach oben, Passanten laufen an ihr vorbei
Zuversichtlicher Blick nach oben | (c) 123rf
19.10.2020
Eine herausfordernde Frage
 

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Von Lisa Hediger

Im Sommer 2020 durfte ich meine Ausbildung zur Kauffrau EFZ bei ERF Medien abschliessen. Ein Teil meiner Ausbildung war meine Abschlussarbeit zum Thema Ethik und Religion. Mir wurde die Frage gestellt: «Ist es heutzutage ethisch vertretbar, religiös zu sein?» Eine herausfordernde Frage, die ich mit viel «Gwunder» zu beantworten versuchte.

Der wichtigste Bestandteil meiner Recherchen waren diverse Gespräche mit Personen aus meinem Umfeld, Interviews und eine Online-Umfrage. In der Umfrage habe ich nach der Definition von «Religion» und «Ethik» gefragt. Für das Wort «Religion» wussten alle Befragten eine Antwort. Jedoch war jede Definition anders. Auch in den Gesprächen wurde mir immer mehr bewusst, dass die Definition von «Religion» sehr persönlich ist. Unsere Herkunft, Erlebnisse und Prägung sind nur einige Faktoren, die einen Einfluss darauf haben. Die Ethik hingegen ist ein Fremdwort, das viele nicht beschreiben konnten.

Ethik ist ein Teilbereich der Philosophie. Der berühmte Philosoph Immanuel Kant formu- lierte die zentrale Frage der Ethik. Diese lautet: «Was soll ich tun?» Diese Frage bringt uns dazu, darüber nachzuden- ken, was gut und was böse ist. Doch wo finden wir Anhaltspunkte oder wer hat überhaupt das Recht uns zu sagen, was wir tun sollen? Religionsanhänger finden ihren Massstab in Heiligen Schriften oder in Aussagen von Religionsstiftern. Nichtreligiöse Menschen müssen diese Frage mit ihrem Verstand beantworten. Deshalb wird klar zwischen religiöser und nichtreligiöser Ethik, der sogenannten säkularen Ethik, unterschieden.

Die säkulare Ethik ist auf dem philosophischen Menschenbild aufgebaut. Dieses sieht den Menschen als Produkt der Evolution, welches per Zufall auf diese Erde ge- setzt wurde. Der Mensch wird als Vernunftwesen angesehen. Er muss also seinen Verstand einsetzen, um damit Werte, Nor- men, Rechte und Pflichten festzulegen. Das religiöse Menschenbild sieht den Menschen als Geschöpf Gottes. Somit ist der Mensch eingebunden in eine göttliche Ordnung. Der Mensch orientiert sich am Jenseits und sein Ziel ist es, seinem Gott oder seinen Göttern zu gefallen. Dies kann er erreichen, indem er das tut, was von der höheren Macht als gut angesehen wird. Gott oder die Götter sind somit der zentrale Punkt im Leben eines religiösen Menschen.

Würden wir die Frage «Ist es heutzutage ethisch vertretbar, religiös zu sein?» aus Sicht der säkularen Ethik beantworten, wäre die Antwort «Nein». Beantworten wir jedoch die Frage aus Sicht der religiösen Ethik, wäre die Antwort «Ja». Auf diese Frage haben wir aus ethischer Sicht zwei komplett verschiedene Antworten. Diese Variabilität werden wir immer haben. Die Folge dieser Variabilität für uns heisst: Toleranz. Wir kommen nicht ans Ziel, wenn jeder versucht, seine Meinung als einzig richtige zu bezeichnen.

Manchmal braucht es einen Perspektivenwechsel. Toleranz heisst nicht, dass wir jede Meinung oder Handlung unserer Mitmenschen gutheissen müssen. Es heisst, dass wir den Menschen dahinter trotz differenzierter Meinung würdigen sollen. Denn jeder Mensch hat seine Menschenwürde, welche den Respekt anderer verdient.

( © Online-Redaktion ERF Medien)
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TV-Redaktor Daniel Meister berichtet.
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