Von Mathias Fontana
«Wasser ist kostbar!» Dieser Tatsache sind sich viele Schweizerinnen und Schweizer durchaus bewusst – entsprechend steuern sie ihren Wasserverbrauch. Doch was viele nicht wissen: Das meiste Wasser, welches wir verbrauchen, kommt nicht aus dem Wasserhahn, sondern ist in Produkten versteckt.
«Stell beim Zähneputzen das Wasser ab! » Diese Anweisung habe ich beim Zähneputzen als Kind oft gehört und schliesslich auch verinnerlicht. Wasser ist wertvoll und darf nicht einfach verschwendet werden. Bei der Toilettenspülung, beim Duschen und Baden, beim Abwaschen oder beim Kleiderwaschen wird in der Schweiz reines Trinkwasser verbraucht. Insgesamt brauchen Herr und Frau Schweizer so im Durchschnitt 162 Liter Wasser pro Tag und Person. Zum Vergleich: Das sind rund eineinhalb Badewannen voll Wasser.
Mit einigen kleinen Änderungen sowie mit einem leicht erhöhten Bewusstsein für den eigenen Wasserverbrauch kann man ziemlich viel Wasser sparen:
Unser «Wasser-Fussabdruck»
Diese Massnahmen wirken sich jedoch nur auf den mit Abstand kleinsten Teil unseres Wasserverbrauchs aus: den direkt sichtbaren Wasserverbrauch. Insgesamt ist unser «Wasser-Fussabdruck» aber viel grösser und beträgt in der Schweiz rund 4200 Liter pro Person und Tag.
In diesem Wasser-Fussabdruck ist die gesamte Wassernutzung einer durchschnittlichen Person, die in der Schweiz lebt, enthalten: Die direkte Wassernutzung (beispielweise zum Trinken und Waschen) aber auch die indirekte Nutzung (Wasser, das für die Erzeugung von Waren und Dienstleistungen erforderlich ist). Dieser gesamte Wasser-Fussabdruck kann zudem aufgeteilt werden in einen internen (innerhalb der Schweiz) und einen externen Teil (im Ausland).
Der grösste Teil dieser 4200 Liter pro Kopf und Tag wird denn auch im Ausland verbraucht: Unser externer Wasser-Fussabdruck – der Wasserverbrauch im Ausland, der für die Herstellung von Importprodukten anfällt – macht insgesamt 82 Prozent unseres gesamten Fussabdrucks aus. Die Schweiz, das «Wasserschloss» Europas, importiert also indirekt riesige Mengen Wasser.
Stammt dieser Wasserimport aus ebenfalls wasserreichen Regionen, ist das eigentlich kaum ein Problem. Aber knapp 15 Prozent des externen landwirtschaftlichen Wasser-Fussabdrucks setzt sich aus Produkten zusammen, die im Einzugsgebiet von Gewässern liegen, die während einem oder mehreren Monaten unter Wasserknappheit leiden. Dazu zählen unter anderem Baumwolle rund um den Aralsee, Weizen und Zuckerrohr aus dem Einzugsgebiet von Indus und Ganges oder Viehfutter aus der Nil-Region.
Wasser in Nahrung und Produkten
Teilt man den Wasserverbrauch nach einzelnen Sektoren und Produkten auf, wird deutlich, dass vor allem Nahrungsmittel (81 Prozent des Gesamtverbrauchs) nd Industrieprodukte (17 Prozent des Gesamtverbrauchs) den Hauptbestandteil unseres Wasserverbrauchs ausmachen. Beinahe könnte man sagen, dass die paar Liter, die wir täglich aus dem Wasserhahn lassen, bei unserem gesamten Wasserkonsum gar nicht ins Gewicht fallen.
Viel eher sind es Produkte unseres täglichen Bedarfs, die diese Mengen an Wasser bei der Produktion verbrauchen.
Wasser sparen – aber richtig!
Als Konsument haben wir zum Teil nur bedingt Einfluss auf die Produktionsbedingungen dieser Produkte. Wie und ob der Wasserbedarf bei der Herstellung eines Autos oder Computers gesenkt werden kann, entzieht sich dem Wissen des Durchschnittsbürgers. Allerdings gibt es sehr wohl Möglichkeiten, den eigenen Wasser-Fussabdruck zu verringern: