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Zusammen leben – drei Varianten

Gemeinsam (c) 123rf
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14.08.2013
Porträts von Menschen, die ihr Zusammenleben mit anderen bewusst gestalten.
 
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Beitrag aus: antenne September 2013
Format: Familientipp
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Von Mathias Fontana

Der Schweizer Wohntraum: ein Einfamilienhaus mit etwas Umschwung. Doch diese Form des Zusammenlebens ist nur eine unter vielen möglichen. Denn Wohn- und Lebensformen können auch ganz anders aussehen – manchmal gewollt, manchmal bedingt durch äussere Umstände. Drei Porträts von Menschen, die ihr Zusammenleben mit anderen bewusst gestalten.
 
«Wie eine erweiterte Familie» – Villa Zvilla in Rapperswil SG
Wir möchten das Leben mit anderen Leuten teilen», beschreiben Sam und Judith Steiner die Motivation hinter ihrer aktuellen Lebensform. Die beiden wohnen mit ihrem zweieinhalbjährigen Sohn Cadon in einem grossen 12-Zimmer-Haus mitten in der Stadt in Rapperswil SG – zusammen mit fünf weiteren Personen. «In unserer WG zu wohnen heisst mehr als nur ein Zimmer zu haben», erklärt Sam. «Wir teilen uns das Wohnzimmer, kochen zusammen, teilen uns die Arbeiten im Haushalt und verbringen auch Freizeit miteinander – eigentlich wie in einer erweiterten Familie.» Sie seien nicht eine WG primär aus Spargründen. Auch wenn dies ein schöner Nebeneffekt dieser Wohnform sei. «Dass immer Leben im Haus ist, geniessen wir sehr. Und wenn es einem mal zu viel wird, haben alle ihren Rückzugsort. »
 
Steiners Traum, mit anderen Menschen zusammen ein grosses Haus zu bewohnen, ist nicht über Nacht entstanden: Was in einer Retraite der damaligen Gemeinde vor Jahren als Idee geboren wird, wächst mit der Zeit stetig. Sam und Judith denken verschiedene Möglichkeiten an, aber es klappt nie wirklich. Nach einem mehrmonatigen Auslandaufenthalt läuft es dann plötzlich Schlag auf Schlag: Noch von Malaysia aus interessieren sie sich für die leerstehende Villa. Zwei Freundinnen besichtigen das Haus für sie – und geben dem Projekt keine Chance: zu alt, zu dunkel, zu viel zum Renovieren. Kaum einen Tag zurück in der Schweiz, besichtigen sie selber das Haus und sprechen beim Vermieter vor. Zwar können sie ihm nach 8-monatiger Reise und ohne Jobs kaum Sicherheiten bieten. Doch sie bewerben sich trotzdem mit einem eiligst erstellten Konzept, wie sie das Haus bewohnen wollen. «Eigentlich sind wir da etwas reingerutscht», sagt Judith rückblickend. «Eins nach dem anderen hat sich ergeben und schliesslich haben wir – etwas überraschend – den Zuschlag erhalten!» Steiners machen sich an die Renovation und suchen Mitbewohner – erfolgreich. Heute wohnt auch eine der Freundinnen in der WG, die das Haus besichtigt und für nicht bewohnbar gehalten hat.
 
Ihr Mietvertrag hat eine Laufzeit von 10 Jahren, mit der Option, zweimal um 5 Jahre zu verlängern. Doch ob die WG auch mit Kindern im Teenageralter das Richtige für sie ist, wissen die beiden noch nicht. Die richtigen Mitbewohner sind wohl auch der Schlüssel, dass die WG gut funktioniert. Denn alle müssten investieren in diese Art des Zusammenlebens. «Und auch die Chemie muss stimmen. Aber wir haben einfach immer Glück gehabt mit unseren Mitbewohnern », erzählt Sam. Für mögliche Nachahmer einer solchen WG haben sie einen besonderen Tipp: «Wir leisten uns eine Putzfrau für die Gemeinschaftsräume. Das erspart uns die Diskussionen, ob es nun sauber genug ist oder nicht.» «
 
In Gemeinschaft und trotzdem selbständig – Kommunität Nidelbad
«Plötzlich stand ich ganz alleine da», erzählt Katharina Luz über die schwere Zeit, nachdem ihr Mann überraschend gestorben ist. Vor zehn Jahren erhält er die Diagnose Krebs. Gerade mal einen Monat bleibt den beiden bis zu seinem Tod. «Bis dahin hatte ich immer mit anderen Menschen zusammen gelebt und war nie alleine.» Auf einmal muss sich die heute 70-Jährige Gedanken zum Zusammenleben machen, wie sie dieses gestalten möchte. Sie prüft verschiedene Möglichkeiten: mit Freunden zusammen bauen, einer Kommunität beitreten, in eine Alters-WG einziehen. Doch nie passt es wirklich. «Ich habe gemerkt, dass ich da selber nicht mehr weiterkomme», sagt Katharina Luz. So habe sie sich irgendwann ganz auf Gott verlassen und nicht mehr aktiv weitergesucht – er würde sie schon an den richtigen Ort führen.
 
Und prompt: Keine zwei Wochen später erhält sie von Bekannten den Hinweis auf die Kommunität in der Diakonie Nidelbad in Rüschlikon, einer ökumenischen Gebets- und Lebensgemeinschaft, welche sie vorher nicht kannte. Nach einem ersten Kontakt entscheidet sie sich, einen Tag pro Woche als freiwillige Helferin im Pflegezentrum mitzuarbeiten. «Für mich war es unvorstellbar, gleich in die Gemeinschaft einzutreten», sagt Katharina Luz rückblickend.
 
So pendelt sie während dreieinhalb Jahren ein- bis zweimal pro Woche nach Rüschlikon. «Diese Zeit zum Prüfen habe ich gebraucht. Es war für mich wichtig zu wissen, auf was ich mich einlasse.» Als im Nidelbad gebaut wird, ergibt sich für Katharina Luz die Gelegenheit, dort eine eigene Wohnung zu beziehen und sie tritt der Kommunität Nidelbad bei. «Als ich schliesslich eingezogen bin, war es wie ein Heimkommen. Die Zeit war reif dafür und ich habe dort Freunde gefunden.».
 
In der Kommunität Nidelbad leben und arbeiten rund 30 Personen zwischen 5 und 80 Jahren miteinander. Die Mitglieder der Kommunität arbeiten fast alle in den Betrieben der Diakonie Nidelbad, die unter anderem ein Pflegezentrum, eine Gärtnerei und mehrere Gästehäuser betreiben. Katharina Luz schätzt die gemeinsamen Essenszeiten, die gemeinsame Arbeit und auch die fest im Alltag eingeplanten Gebetszeiten sehr: «Ich lebe hier in Gemeinschaft, bin aber trotzdem selbständig.» So viel Nähe und Gemeinschaft bringen auch Herausforderungen mit sich. Eine Kommunität funktioniert nur, wenn sich alle hineingeben und das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen ausbalanciert ist. «Heute kann ich mich noch stark einbringen und dienen – in einigen Jahren bin ich dann vielleicht selber auf Hilfe angewiesen », erklärt sie.
 
Für Katharina Luz kommt dieses Prinzip des Dienens auch bei der Pflege in der Geriatrie des Pflegezentrums Nidelbad zum Ausdruck: «Die Menschen brauche Nähe und Zeit im Alter, fast wie Kleinkinder», sagt die ehemalige Krankenschwester. «Beides kann ich den Menschen im Nidelbad schenken.» Katharina Luz setzt sich gerne weiterhin ein bis zwei Tage im Pflegezentrum ein.
 
Viele kleine, wertvolle Begegnungen – Generationenhaus in Grüt
Auf den ersten Blick nichts Aussergewöhnliches: ein dreistöckiges Mehrfamilienhaus in Grüt bei Gossau ZH, drei Garagen, drei Türklingeln. Doch schaut man genauer hin, fällt auf, dass auf allen drei Namensschildern «Lindenmann» vorkommt. Rolf Lindenmann lebt hier zusammen mit seiner Frau und den Familien seiner beiden Töchter. Insgesamt leben 6 Erwachsene und 7 Kinder zwischen 4 und 74 Jahren im Mehrgenerationenhaus.
 
«Gemeinsames Wohnen war für mich schon lange ein Thema, wenn auch in anderer Form», sagt Rolf Lindenmann. Der heute 74-Jährige baute im Rahmen der Vereinigten Bibelgruppen VBG in den 1980er Jahren für Studenten Wohngemeinschaften auf, die es damals noch kaum gab. «Christen sollten beim Zusammenleben vermehrt experimentieren. Und es ist gut, wenn sie in diesem Bereich auch als Vorbilder vorangehen», ist Lindenmann überzeugt. Denn er sieht heute zunehmend Familien, Alleinerziehende oder auch Einzelpersonen, die im Alltag überfordert sind und an ihre Grenzen kommen.
 
Das Zusammenleben im Mehrgenerationenhaus biete hier viel Entlastung. «Es sind diese vielen, spontanen Begegnungen und Dienste, die dieses Zusammenleben so wertvoll machen », sagt Lindenmann. Dazu zählen grössere und kleinere Dinge wie Kinderbetreuung, ein wöchentliches Haus-Essen, Einladungen, Ratschläge, gemeinsame Gebetszeiten usw. Und natürlich spare man auch Ressourcen, könne Synergien teilen: «Wir teilen viele Geräte oder auch unser Werkzeug miteinander und auch die Autos werden je nach Bedarf getauscht – es muss ja nicht jeder alles haben!»
 
Bis zum Einzug der drei Parteien in das Generationenhaus waren manche Gespräche und Abklärungen nötig. «Idealismus bringt hier nichts, man muss wissen, worauf man sich einlässt », sagt Rolf Lindenmann. Nach der Heirat der älteren Tochter sei die Idee langsam gereift. Schliesslich haben alle Beteiligten ihre Wünsche und Befürchtungen aufgeschrieben – und sich dann vor acht Jahren für das gemeinsame Haus entschieden. Organisiert haben sie sich als Eigentümergesellschaft, in der alle drei Parteien eine eigene Wohnung haben. Für alle zugänglich sind aber der Gemeinschaftsraum, die Waschküche und die Werkstatt.
 
Der grösste Vorteil dieser Art des Zusammenlebens sei wohl auch die grösste Herausforderung, meint Rolf Lindenmann: «Wir sind nahe zusammen und teilen viel vom Leben. Sowohl die positiven Seiten wie auch die weniger schönen. Aber wir möchten es nicht anders und bereuen unser Experiment in keiner Weise!»

( © Online-Redaktion ERF Medien)
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