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In Flüchtlingsbooten durchs Mittelmeer

Bootsflüchtlinge
(c) Vito Manzari/Wikipedia
14.11.2014
 
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Beitrag aus: antenne Dezember 2014
Serie: Flüchtlinge
Thema: Medien
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Von Verena Birchler

Es war der 25. September 2014, als das Kreuzfahrtschiff «MS Salamis Filoxenia » zur Rettung von Flüchtlingen seinen Kurs änderte. 345 Menschen trieben, von ihrem Kapitän im Stich gelassen, auf See. Orientierungslos gerieten sie in einen Sturm und konnten nur noch ein Notsignal abgeben. Daraufhin wurden sie rund 90 Kilometer südlich von Paphos gerettet.

Nebst dieser Rettungsaktion könnten noch viele andere erwähnt werden. Die zahlreichen Konfliktherde im Nahen Osten und in Ost- und Zentralafrika haben 2014 unzählige Menschen in die Flucht getrieben. Gemäss Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) haben seit Jahresbeginn bereits etwa 3000 Menschen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer den Kampf ums Leben verloren. Die Menschenrechtsorganisation «terre des hommes» teilte mit, dass die italienische Marine während den ersten neun Monaten dieses Jahres 7800 Kinder aus den Flüchtlingsbooten im Mittelmeer gerettet hat. Davon waren 3500 Kinder ohne Begleitung von Erwachsenen. Wöchentlich erreichen durchschnittlich etwa 800 Flüchtlinge die Stadt Syrakus auf der italienischen Insel Sizilien. «Die Aufnahmelager dort sind völlig überfüllt», heisst es in einer Mitteilung von terre des hommes.

Genauso gut erinnern wir uns an das Drama von Lampedusa. Über 200 Tote wurden vor der kleinen Mittelmeerinsel aus dem Wasser gefischt. Und so reiht sich Katastrophe an Katastrophe. Menschen auf der Suche nach Herberge, nach einer neuen Heimat, nach Sicherheit und Liebe. Menschen mit einer verzweifelten Hoffnung. Hier an dieser Stelle geht es nicht darum, die Flüchtlingspolitik zu loben oder an den Pranger zu stellen. Es geht darum, wieviel Platz der Weihnachtsgedanke in unseren Herzen Raum einnehmen kann. Und welche Weihnachtsgedanken uns bewegen. Das Schiff, das vor Paphos die 345 Menschen aufnahm, hiess MS Salamis Filoxenia. Und Filoxenia heisst «Freund der Fremden», in diesem Fall war es «Nomen est Omen».

Filoxenia – Freund der Fremden
Ich habe mich mit Niki Pissi, einer deutschgriechischen Zypriotin unterhalten, die ebenfalls aus ihrer Heimat vertrieben wurde. Sie lebte im Norden von Zypern, als im Sommer 1974 türkische Truppen den Norden und Nordosten Zyperns einnahmen. Die griechischstämmige Nikki Pissi erinnert sich an den Tag der Vertreibung aus ihrem Heimatdorf im Norden Zyperns, als wäre es gestern gewesen. Damals dachte sie, der Süden der Insel sei eine Art Zwangs-Urlaubsdomizil. Sie war überzeugt, dass die ganze Familie nach ein paar Wochen wieder nach Hause reisen kann. Wenn sie sich heute an jene Zeit erinnert, fühlt sich das für sie auch nach vier Jahrzehnten noch grausam an. Kein Wunder, denn «wir haben die Bombardierung erlebt, als mein Vater meine Cousine getauft hat. Die Kirche bebte damals. Dann sind wir nach Hause gegangen und wir sind unter den Betten verschwunden. Ich habe die Alpträume bis heute, dass ich – wenn ich im Schlaf Flugzeuge höre –, immer noch bis heute, 40 Jahre später, unter dem Bett verschwinde.»1

Es waren türkische Luftangriffe, die die griechischstämmige Bevölkerung aus dem Norden Zyperns vertreiben sollten. Mittendrin Nikki Pissi im Heimatdorf ihrer Eltern, einer deutschen Mutter und eines griechisch- zyprischen Vaters.

Diese Frau strahlt heute eine unglaublich positive Lebensfreude aus. Doch etwas ist ihr geblieben. Die Erinnerung an die Zeit, als sie selber auf der Flucht war. Angesichts der Tragödie, bei der die Flüchtlinge in Limassol landeten, wird sie nie vergessen, was Gastfreundschaft – oder eben – «Freund der Fremden » bedeutet. «Gastfreundschaft bedeutet für uns; wir geben Menschen zu essen und zu trinken. Wir versuchen den Menschen zu helfen und mit ihnen ihre Sorge zu tragen und sie in ihren Nöten nicht alleine zu lassen. Und auch wenn wir zu Hause selber kein Geld haben, möchten wir trotzdem den anderen etwas anbieten.» Wenn man mit Niki Pissi (sie ist eine hervorragende Reiseleiterin auf Zypern, die auch die Reisen von ERF Medien begleitet) unterwegs ist, spürt man diese echte Herzlichkeit und Liebe zu den Menschen. Und für mich ist das auch ein Weihnachtsgedanke: «Freund der Fremden». Eben – es geht nicht um politische Dimensionen, sondern darum, welche Herzenshaltung in uns lebt. Die Jahreslosung 2015 nimmt genau dieses Thema auf: «Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob» (Römer 15,7).

Wir können entscheiden
Einander – das bedeutet, niemanden auszuschliessen. Natürlich ist das nicht einfach. Denn gerade Flüchtlinge aufzunehmen, ist ein Entscheid mit Folgen. Aber so ist auch die ganze Weihnachtsgeschichte. Sie hätte auch ganz anders werden können. Denn es gibt immer zwei Seiten. Und diese kommen in der Weihnachtsgeschichte ganz besonders zum Ausdruck. Wir haben in schwierigen Situationen immer mindestens zwei Möglichkeiten uns zu entscheiden.

Maria erfährt von einem Engel, dass sie schwanger ist. Wir kennen die Geschichte bestens. Sie war erst mit Josef verlobt und Sex vor der Ehe, das gab es damals nicht. Wie aber soll sie mit dieser Situation fertig werden, mit dieser unglaublichen Geschichte. Sie könnte Josef anlügen und irgendwas von Vergewaltigung oder so erzählen. Oder sie konnte die schier unglaubliche Geschichte vom Engel erzählen, der ihr mitteilte, dass sie schwanger war. Sie entschied sich für den ehrlichen Weg.

Oder Josef. Er hatte die Wahl zwischen Verständnis und Glauben – oder der Auflösung der Verlobung. Er entschied sich für seine Maria – gut, der Engel hat hier etwas nachgeholfen. Dann waren da die Sterndeuter, die Jesus, dem «neugeborenen König der Juden», die Ehre erweisen wollten. König Herodes befahl ihnen, diesen sogenannt neuen, zukünftigen Herrscher zu suchen und ihm dann Bericht zu erstatten. Die Sterndeuter hätten das tun und König Herodes verraten können, wo sich Jesus aufhielt. Aber sie entschieden sich anders und wählten deshalb einen anderen Weg nach Hause.

Nachdem die Sterndeuter weg waren, hatte Josef schon wieder eine Begegnung der dritten Art. Ein Engel befahl ihm, mit seiner Frau und dem Kind zu fliehen, da Herodes beschlossen hatte, alle Kinder unter zwei Jahren töten zu lassen. Josef hätte auch da auf die Flucht verzichten können. Schliesslich hatten sie bereits einen beschwerlichen Weg hinter sich. Bestimmt hätte er sich und seine Familie irgendwie verstecken können. Aber er entschied sich, auf die Stimme des Engels zu hören.

Weihnachtsgedanken sind demzufolge:

  • Das Wohl anderer Menschen im Auge und im Herzen zu tragen
  • Zu handeln, wo andere nicht handeln
  • Entscheidungen zu fällen, die manchmal auch unlogisch sind
  • Gott zu vertrauen, dass er hilft und uns nicht im Stich lässt.

Auch 2015 werden viele Menschen wieder auf der Flucht sein. Sie werden vor dem Zorn der jeweiligen regionalen Machthaber fliehen und mit der Hoffnung auf ein besseres Leben auch wieder in kleinen Booten, verlassen von ihrem Kapitän, den Weg nach Italien, Zypern oder Griechenland suchen. Und wir werden entscheiden müssen, ob und wie wir sie – gemeinsam mit anderen Ländern – aufnehmen und ob und wie sich ihre Hoffnung erfüllt. Der Weihnachtsgedanke ist kein Angstgedanke. Der Weihnachtsgedanke trägt Jesus im Herzen.

( © Online-Redaktion ERF Medien)
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