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Wenn Münzen zu Blumen werden

13.08.2014
 
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Beitrag aus: antenne September 2014
Serie: Kirchen
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Von Verena Birchler

Auf vielen bildlichen Darstellungen der Jünger Jesu ist Judas Iskariot oft einfacher zu erkennen als Petrus oder Paulus. Meistens wird Judas hässlicher dargestellt als die andern Jünger und meistens wird der Beutel mit den 30 Silberlingen ebenfalls abgebildet. Die christliche Kunst zeigte Judas auch immer als den, dem man die ganze Schuld am Tod Jesus zuweisen konnte. Besonders beeindruckend in der Kunst sind die Darstellungen, die Judas als vielschichtigen Charakter zeigen, der durch seine Tat innerlich zerrissen wird. Aber es gibt auch eine andere Darstellung von Judas: Eine, die Hoffnung macht!

Wenn hier die Rede von Judas ist, ist es sicher gut, noch einen zweiten Mann dazu zu nehmen. Es geht also um den Judas, der Jesus verraten hatte und über den Mann, der gemeinsam mit Jesus gekreuzigt wurde und zu dem Jesus sagte: «Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.» worden. Die Kirche wieder aufzubauen war nicht so schwierig. Nur die Fenstergestaltung, das war eine Herausforderung. Viele Jahre später hat man einen Künstler damit beauftragt, neue Kirchenfenster zu gestalten. Sie sollten zum Ausdruck bringen, dass eine neue Zeit angebrochen war. Und das hat der Künstler, Sir Laurence Whistler, dann auch gemacht. Relativ untypisch hat er Fenster mit  Glasgravuren kreiert. Die sind dann auch begeistert eingesetzt worden, bis auf eines. Ein hochformatiges, ein wirklich grosses Bild. Das Bild  zeigt den aufgehängten Judas. Über dreissig Jahre hatte der Künstler an allen Bildern gearbeitet, und das Bild des Judas wollte der Künstler der Gemeinde schenken. Doch die Gemeinde lehnte das Bild ab. Das Bild hat aber eine Besonderheit. Es zeigt Judas, wie er da tot an einem Baum hängt. Aus seinen Hosentaschen fallen Münzen zu Zwei völlig unterschiedliche Charaktere. Judas war lange Zeit mit Jesus unterwegs, war ihm nahe – und hat als Verräter total versagt. Der andere lernte Jesus erst kennen, als sie gemeinsam am Kreuz hingen. Er erfasste, dass es ein Glück ist, nahe bei Gott zu sein. Er erfasste, dass er Seite an Seite mit Gottes Sohn am Balken hing. Und dieser sprach ihm eine  hoffnungsvolle Zukunft zu: «Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.»

Jetzt fragt man sich, was die beiden Männer verbindet. Judas und den gekreuzigten Verbrecher! Es ist das Thema Vergebung. Dazu eine kleine Geschichte, die sich in Südengland ereignet hat.

Das abgelehnte  Geschenk
In Südengland gibt es eine kleine Ortschaft. Die heisst Moreton. 1940 war deren Kirche durch eine Bombe verwüstet worden. Die Kirche wieder aufzubauen war nicht so schwierig. Nur die Fenstergestaltung, das war eine Herausforderung. Viele Jahre später hat man einen Künstler damit beauftragt, neue Kirchenfenster zu gestalten. Sie sollten zum Ausdruck bringen, dass eine neue Zeit angebrochen war. Und das hat der Künstler, Sir Laurence Whistler, dann auch gemacht. Relativ untypisch hat er Fenster mit Glasgravuren kreiert. Die sind dann auch begeistert eingesetzt worden, bis auf eines. Ein hochformatiges, ein wirklich grosses Bild. Das Bild zeigt den aufgehängten Judas. Über dreissig Jahre hatte der Künstler an allen Bildern gearbeitet, und das Bild des Judas wollte der Künstler der Gemeinde schenken. Doch die Gemeinde lehnte das Bild ab. Das Bild hat aber eine Besonderheit. Es zeigt Judas, wie er da tot an einem Baum hängt. Aus seinen Hosentaschen fallen Münzen zu Boden. Viele Münzen! Denn diese Münzen waren der Lohn für seinen Verrat an Jesus. Auf dem Weg zum  Boden verwandeln sich die Münzen zu Blumen. Der Künstler wollte damit zum Ausdruck bringen, dass in Gottes Augen und in seinem Herzen auch der grösste Verräter mit Gottes Vergebung rechnen kann. Die Bibel schweigt sich ja darüber aus. Aber dieses Bild, wie sich die Ursache der Schuld vom Toten löst, und auf dem Weg zum Boden zu Blumen wird, finde ich extrem stark. Und ich gehe davon aus, dass dieses Bild mehr Anlass bietet, über Jesus, über die Vergebung und über die Bibel zu diskutieren als jene Bilder, auf denen die üblichen biblischen Geschichten abgebildet sind. Das Bild von Judas, die Münzen seiner Schuld und wie diese auf dem Weg zum Boden zu Blumen wird, zu neuem Leben, zu etwas Schönem. Vor einigen Monaten nun wurde dieses Bild doch eingesetzt. Viele, die früher gegen dieses Bild waren, haben in ihren persönlichen Biografien und in ihren Familien Momente erlebt, die das Verständnis für dieses Bild wachsen liessen.

Gott nahe zu sein ist mein Glück
Die andere Begebenheit ist die Geschichte des Mannes, der neben Jesus ans Kreuz genagelt wurde. Er erlebte das, was in der Jahreslosung 2014 steht: «Gott nahe zu sein ist mein Glück.» So bewusst hat er das wahrscheinlich nicht wahrgenommen. Obwohl er Jesus sehr nahe war. Mindestens physisch. Aber Jesus hat ihn wahrgenommen. Und dann kommt dieser Moment, in dem Jesus diesem Verbrecher verspricht, dass er mit ihm im Paradies sein wird. Da bekommt also einer das Paradies zugesagt, der noch nicht mal richtig realisiert, was da vor sich geht. Dieser Mann hat mit keinem Satz seine Sünden bereut, er konnte auch nichts wiedergutmachen, er hat nichts mehr in Ordnung bringen können. Er konnte auch seine Vergangenheit nicht aufarbeiten. Er konnte nichts tun, was Gott gefallen hätte. Das ist schon sehr wenig, um von Gott ins Paradies gerufen zu werden. Für diesen Verbrecher reichte es einfach, Gott nahe zu sein. Oder etwas salopp formuliert: Er war zur rechten Zeit am rechten Ort, in der richtigen Gesellschaft der richtigen Person begegnet. Gott nahe zu sein war sein Glück.

Für mich sind diese beiden Geschichten ein unglaublich schöner Ansatz für den Satz von Asaph aus dem 73. Psalm: «Gott nahe zu sein ist mein Glück.» Natürlich wissen wir nicht, ob Judas tatsächlich im Paradies ist. Das ist theologisches Glatteis. Da haben sich schon viele intelligente Geister darum  gestritten. Aber überrascht wäre ich nicht. Und irgendwie sind beide Geschichten auch in unseren Biografien enthalten. Wir alle brauchen  Gottes Vergebung, um zu erleben was es heisst, «Gott nahe zu sein ist mein Glück». Und das ist wie bei diesem Verbrecher, der neben Jesus gekreuzigt worden ist, unabhängig von der Zeitdauer, wie lange wir mit Jesus gelebt haben. Beide Geschichten lösen in mir immer wieder nachhaltige Gedanken aus. Über Judas, der viel wusste und trotzdem versagte, aber auch bereute. Und über den Verbrecher an der Seite von Jesus, der nichts wusste, nicht aktiv bereute und trotzdem Vergebung zugesprochen bekam. «Gott nahe zu sein ist mein Glück» bedeutet auch, immer wieder über solche Geschichten nachzudenken.

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( © Online-Redaktion ERF Medien)
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