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Die Kunst liegt im Auge des Betrachters

Auch Kunst: Riesengabel im See  |  (c) dreamstime
13.08.2014
Was den einen gefällt, löst bei anderen nur Kopfschütteln aus.
 
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Von Verena Birchler

Mit der Kunst ist das so eine Sache. Was den einen gefällt, löst bei anderen nur Kopfschütteln aus. Ich erinnere mich gut an einen Team-Tag, der unter dem Motto «Die Kunst und ihre Botschaft» stand. Zuerst fuhren wir in die Kartause Ittigen und erlebten das Kunstschaffen und das Leben der Kartäuser. Da waren wir als Team noch einigermassen beieinander. Die Diskussion drehte sich höchstens um Sinn oder Unsinn des Mönchsdaseins. Aber bereits beim Rundgang durch das in die Kartause integrierte Kunstmuseum ging die Diskussion über Kunst und Nicht-Kunst los.

Später fuhren wir weiter zu den Hallen für neue Kunst in Schaffhausen. Und ab da gingen die Meinungen dermassen auseinander, dass man zuweilen glaubte, die Betrachter hätten völlig unterschiedliche Werke gesehen. Was für den einen totaler Schrott war, war für jemand anders «das eindrücklichste, was ich je erlebt habe». Kunst – so vielfältig sie sich uns präsentiert, so unterschiedlich wird sie interpretiert.  

Oder ich erinnere mich an ein anderes Kunsterlebnis. Ich war mit einem Freund unterwegs in München. Da gab es in einem grossen Park eine faszinierende Skulpturenausstellung. Toll. Bei einer Skulptur gab es zwei überdimensionierte Stühle. Da man sich drauf setzten durfte, taten wir das auch. Wir waren beide in ein intensives Gespräch vertieft und nahmen kaum wahr, was um uns herum geschah.  Wir realisierten nicht, dass immer mehr Menschen vor diesen beiden Stühlen stehen blieben und uns zuhörten. Wir hatten ein sehr ernsthaftes Gespräch. Wahrscheinlich wollten wir gerade wieder einmal die Welt retten. Plötzlich fragte uns einer dieser Betrachter: «Gehört ihr zu diesem Kunstwerk oder ist euer Gespräch echt?» Tja, so wurden wir also für einige Minuten selber zum Kunstwerk.  

Wir alle sind Kunstwerke – geschaffen aus Gottes Hand
Bei solchen Erfahrungen geht manchmal vergessen, dass wir tatsächlich Kunstwerke sind, geschaffen aus Gottes Hand. Für mich ist der Schöpfer immer noch der inspirierende Geist hinter allen Kunstschaffenden. Seine Handschrift spielt mit, sogar bei denen, die ihn ablehnen. Gott war genaugenommen der erste Wortkünstler. Er sprach und es wurde. Sie kennen die Geschichte. Wunderbar beschrieben im ersten Buch Mose 1,1–2,1. Wie ein Maler, der in unterschiedlichen Farben und Strukturen dem Ziel entgegen arbeitet, gestaltete Gott das Leben. Am Ende der verschiedenen Schöpfungsakte heisst es dann auch: «Gott sah es und freute sich, denn es war gut.»  

Die Schöpfung des Menschen war sein letztes und genialstes Werk. Über das, was daraus geworden ist, kann man durchaus diskutieren. Aber durch die Art und Weise, wie Gott uns geschaffen hat, ist in jedem von uns eine künstlerische Fähigkeit angelegt.  Die meisten von uns kennen das Bild von Michelangelo, das Deckenfresko aus der Sixtinischen Kapelle. Das Fresko zeigt auf der linken Seite Adam, wie er völlig kraftlos und schlaff in einer stilisierten Hügellandschaft liegt. Seinen linken Arm hat er matt ausgestreckt, während sich ihm von rechts Gott nähert und sich anschickt, Adams Zeigefinger mit dem seinen zu berühren. Gott erfüllt Adam mit seiner Kraft, mit seiner Energie, mit seinem Leben. Natürlich gibt es auch zu diesem Bild unterschiedliche Interpretationen. Letztlich aber zeigt es Gott, wie er den Menschen mit seiner Kraft inspirieren will.

Ist das Kunst oder kann man das wegmachen?
Aber Kunst ist oft nicht so einfach zu verstehen. Denn Kunst ist für jeden etwas anderes und immer eine persönliche Interpretation. Dies beweist auch der Mann aus dem Reinigungsdienst einer öffentlichen Anlage mit wechselnden Skulpturenausstellungen. Leicht irritiert steht er vor einem «Irgendwas » und fragt seinen Chef: «Ist das Kunst oder kann man das wegmachen?» Dieses Schicksal hat auch schon manchen Graffiti- Künstler ereilt. So ist es zum Beispiel für den Künstler Banksy dumm gelaufen – denn eines seiner Frühwerke wurde aus Versehen zerstört. Es wurde für ein wertloses Graffiti gehalten. Der Vorsitzende eines Kulturzentrums in Bristol wollte, dass die Aussenwand des Vereinsgebäudes einen gepflegten Eindruck vermittelt. Sie wirkte vergammelt und vor allem war sie voller Graffiti. Also wurde die Wand kurzerhand überstrichen.

Leider wusste der Verantwortliche nicht, dass der Gorilla mit pinker Maske ein Graffiti von grossem Wert war. BanksysArbeiten bringen locker Summen im vierstelligen Bereich ein. Und wieder bleibt die Frage: «Ist das Kunst oder kann man das wegmachen? »
Bereits Shakespeare sah ein, dass nicht alle einen Zugang zu Kunstwerken haben – oder mindestens nicht denselben Blick dafür. Von ihm stammt auch der Satz: «Schönheit liegt im Auge des Betrachters. » Und manchmal fehlt die Bereitschaft, sich echt und vertieft mit der Kunst auseinanderzusetzen. Oder wie es jemand auf Facebook beschrieb: «Kunst ist für den Hersteller individuell, kostbar und ausdrucksstark und für den Betrachter erstaunlich, unbegreiflich, fraglich und herausfordernd » (Jacqueline Grunder).

( © Online-Redaktion ERF Medien)
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