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Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde

11.01.2013
 
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Beitrag aus: antenne Februar 2013
Serie: Kirchen
Thema: Impulse
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Von Verena Birchler

Im vergangenen Herbst war ich wieder in Zypern. Und wie es sich gehört, gab es das eine oder andere über die vielen Götter auf die Ohren: Adonis, Aphrodite, Zeus, Poseidon und wie sie alle hiessen. Spannende Geschichten. Aber irgendwie waren diese Götter und Göttinnen schon schräg drauf.

Verstrickt in kriegerischen Machenschaften, seltsamen Liebesgeplänkeln und kreativen Machtspielchen, bewegten sie sich schein bar planlos zwischen irdischem Dasein und irgendeiner Unterwelt. Aphrodite beispielsweise war definitiv die Oberzicke in diesem göttlichen Who-is-Who. Sie war so etwas wie die Siegerin von «Olymp’s Next Topmodel» und legte es nur darauf an, den Männern und Göttern den Kopf zu verdrehen.
 
Nach der völlig undurchsichtigen Göttervielfalt freute ich mich über meinen so nahbaren und persönlichen Gott der Bibel. Statt Blitze gibt es Gnade. Statt Vernichtung gibt es neues Leben. Und statt Herrschen und Macht ausnutzen zeigt uns Jesus den Weg der Liebe, der Vergebung und der Versöhnung – Entspannung pur. Das völlige Gegenteil dieser Götter auf ihrem Olymp. Denn wirkliches Interesse an Menschen hatten diese Figuren in ihrem göttlichen Wellnesstempel nicht. Kein Wunder: Der Olymp, das Machtzentrum, war durchdrungen von Hass, Intrigen, Korruption, Mord und Totschlag.
 
Und doch – ist es so einfach mit den Göttern? Oder tun wir uns nicht auch manchmal schwer mit dem biblischen Gott? Geprägt durch unsere Erziehung, Erlebnisse, unser Umfeld und die eigene Persönlichkeit, gestalten wir nicht selten unser eigenes Gottesbild. Ich persönlich werde immer stutzig, wenn Menschen ihr Gottesbild im Lauf ihres Lebens nicht verändern. Mein Gottesbild hat sich in den vielen Jahren doch sehr verändert. War für mich früher Gott eher radikal und korrekt, hat er heute viel mehr Facetten. Und ich bin überzeugt, dass ich immer wieder neu über Gott staunen werde. Jedenfalls wünsche ich es mir.
 
Aber wie ist das denn nun mit diesen Gottesbildern?
Wir haben alle so eine Art Galerie in unserem Kopf. Für mich war immer klar, dass es einen Gott gibt. Ich sah ihn vor allem in der Natur. Also hatte ich das Bild des Natur-Gottes in meinem Kopf. Wie gesagt, heute sehe ich das differenzierter. Und doch überleben so viele eigenartige Gottesbilder. Und einige davon möchte ich hier vorstellen. Vielleicht entdecken Sie das eine oder andere Gottesbild, welches auch Ihr Leben geprägt hat. Denn unsere Vorstellung von Gott hat viel mit unserer Haltung zum Leben zu tun. Es bestimmt die Art, wie wir denken und handeln und wie wir andere Menschen sehen

Gott als Sündenbock
Dieses Gottesbild entwickelt sich aus Eindrücken und Erfahrungen, die Menschen im Laufe ihres Lebens machen. Hier kommt gerne der Satz: «Wenn Gott wirklich alles im Griff hätte, gäbe es nicht so viel Böses in der Welt. Das kann doch kein Gott der Liebe sein. » Dieses Denkmuster ist interessant, denn es widerspricht dem Freiheitsbedürfnis der Menschen. Die Folgefrage wäre hier: Ab wann sollte Gott denn eingreifen? Das eigene Fehlverhalten von uns Menschen wird bequem auf den imaginären Gott abgewälzt, an den man ja ohnehin nicht glaubt.

Der langweilige Gott
Dieses Gottesbild entwickelt sich gerne in der Kindheit. Zum Beispiel besuchen die meisten Kinder noch den Religionsunterricht, meistens eine Stunde pro Woche. Wie diese sich gestaltet, hängt oft von der Lehrperson ab. Glaubt sie selber wirklich an Gott? An einen, der Wunder tut? Wie wird Jesus vermittelt? Wenn in dieser Zeit die immer gleichen Geschichten aus der Bibel gleich langweilig vermittelt werden, liegt es auf der Hand, dass diese Kinder und Jugendlichen Gott und Kirche mit Langweile verbinden. Wenn Harry Potter spannender ist als die biblischen Geschichten, hat man die Jugendlichen am Wesentlichen vorbeigeführt. Dabei gäbe es spannende Methoden, die biblischen Inhalte erlebbar zu machen.

Der Sonntags-Gott
Dieser Gott bleibt bis auf die Sonn- und Feiertage eingesperrt. Er darf nur an den Sonntagen und zu Ostern, Weihnachten, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen an die frische Luft. Auch an Konfirmationen erlaubt man diesem Gott einen kurzen Auftritt. Allerdings zeigt eine Umfrage, dass es 78 Prozent der Konfirmanden wichtiger ist, ein Familienfest zu feiern als an Gott zu glauben. Diese Art von Gottesglauben hat durchaus Vorteile. Einerseits hat Gott keinen Anspruch auf diejenigen, die ihn ab und zu rausholen. Und anderseits vermittelt es doch den Anschein, dass das Leben mit einer Schicht Religion überzogen ist. Gott als eine Art Lebensversicherung – ein riskantes Gottesbild. Man verhält sich so, als ob man Gott in der Tasche hat. Indem man eine minimale religiöse Verpflichtung erfüllt, ist das Thema «Gott» irgendwie abgehakt. Aber Gott lässt sich nicht auf einen religiösen Handel ein, er macht keine Deals.

Der einengende Gott
Viele möchten sich nicht auf Gott einlassen, da sie in ihm nur den Spielverderber sehen. Dieses Gottesbild betont die Einengung, die angeblich geschieht, wenn Menschen sich Gott ganz hingeben. Hier wird der Schwerpunkt auf den Verlust der Freiheit gelegt. Oft wird vermittelt, dass Christen keinen Spass haben dürfen. Dieses Bild zeigt ernsthafte, fromme Menschen und alles, womit sie zu tun bekommen, ist ihnen eine grosse Last. Bei diesem Gottes-bild werden die Betroffenen von Gott so eingeengt, dass sie langsam das Gefühl bekommen zu ersticken; sie kriegen keine Luft mehr.
Dieses Gottesbild vermittelte auch die Werbekampagne, welche vor ein paar Jahren in England lanciert wurde. Auf den roten Bussen konnte man den eingängigen Werbeslogan lesen: «There‘s probably no God. Now stop worrying and enjoy your life» («Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Also mach dir keine Sorgen und geniess dein Leben»). 800 Busse wurden so plakatiert. Scheinbar waren die Atheisten, die diese Kampagne lancierten, der Meinung, dass der Glaube Menschen einengt und ihnen die Freude am Leben nimmt. Dieses Gottesbild ist ein einziges grosses Missverständnis. Wahre Freiheit bedeutet nicht, sich von den «Ketten des Glaubens» zu befreien. Jesus sagte zu den Menschen, die an ihn glaubten: «Wenn ihr euch nach meinen Worten richtet, seid ihr wirklich meine Jünger. Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.»

Der «Big Brother Is Watching You»-Gott
Dieses Gottesbild vermittelt uns Gott als Polizisten. Mit grossen Augen überwacht er unser Tun – oder Nicht-Tun. Und je nach dem verpasst er uns einen Strafzettel in Form von Unglück, Krankheiten und anderen Lebensschwierigkeiten. Menschen mit einem übersensiblen und sehr feinen Gewissen können oft die Stimme ihres Gewissens nicht von der Stimme Gottes unterscheiden. Deshalb entwickeln sie oft falsche Schuldgefühle. Sie fühlen sich für fast alles verantwortlich und glauben immer, irgendetwas Falsches zu tun. Diese Menschen haben oft auch Mühe, in Gott einen liebenden Vater zu erkennen und sind kaum in der Lage, Gottes Vergebung anzunehmen. Die Vorstellung, dass Gott sie annimmt und liebt, übersteigt das eigene Vorstellungsvermögen. Aber der Gott der Bibel ist keiner dieser griechischen Götter, die nur darauf warten, mit ihren Blitzen und Donnern Strafe über die Menschen hereinzubringen.

Mit Gott fröhlich das Leben geniessen
Es gibt verschiedene Gottesbilder in unserer inneren Galerie. Es ist wirklich wichtig, dass unsere Vorstellung mit dem wirklichen Wesen Gottes übereinstimmt. Und am besten erkennen wir Gott in seinem Sohn Jesus Christus. «Der Sohn spiegelt die Herrlichkeit Gottes wider, und alles an ihm ist ein Ausdruck des Wesens Gottes» (Hebräer 1,3).
 
Das wahre Wesen Gottes finden wir nicht in Kulturen, Ritualen, Traditionen oder Sonn- und Feiertagen. Das objektivste Gottesbild vermitteln uns die Evangelien. Hier werden durch das Leben von Jesus Gottes Charaktereigenschaften sichtbar. Deshalb lohnt es sich, diese Texte immer wieder durchzulesen und zu studieren. Und plötzlich merkt man, dass Gott viel facettenreicher ist als unser kleiner Gottesbilderladen. Unser Glaube und unser Vertrauen verändern sich. Und so wird der zweite Teil der englischen Bus-Kampagne tatsächlich Wirklichkeit: «Also mach dir keine Sorgen und geniess dein Leben. » Ganz einfach, weil Gott uns mit seiner Liebe begleitet und es gut mit uns meint.

( © Online-Redaktion ERF Medien)
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