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Der Weg vom Horchen zum Gehorchen

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17.01.2019
Den Willen Gottes erkennen
 
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Beitrag aus: antenne Februar 2019
Format: Magazin Antenne
Thema: Pfingsten
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Von Hanspeter Schmutz

Für die Jünger Jesu war alles viel einfacher, hört man oft sagen. Sie konnten Jesus ganz direkt fragen, wenn etwas unklar war. Jesus wusste, wie es weitergehen würde. Vor seiner Himmelfahrt beruhigte er seine Nachfolger – und damit auch uns.

Er zeigte, wie wir den Willen Gottes erkennen können: mit Hilfe seines Stellvertreters, des Heiligen Geistes. Er werde nach seinem Weggang einen Helfer senden, versicherte Jesus. Dieser werde uns den Weg weisen, den wir gehen sollen, persönlich und als christliche Gemeinde.

Vier entscheidende Aspekte
Das Pfingstereignis markierte den Anbruch dieses neuen Zeitalters. Jeder, der Busse getan und Vergebung empfangen hat, erhält als Geschenk die Gabe des Heiligen Geistes. Es liegt nun an uns, dieses Geschenk auszupacken, die darin enthaltenen Gaben zu entdecken und zu erkennen, wie sie in Gottesdienst und Alltag gebraucht werden können. Dabei hilft uns der Heilige Geist. Paulus betont nicht umsonst, dass wir uns – neben der Liebe – insbesondere auch um die Gabe der Eingebung bemühen sollen. Bei diesem Erkennen von Gottes Willen unter der Führung des Heiligen Geistes sind vier Aspekte zu beachten: die Bedeutung der Zeit, des Materials, der Korrektur und des Gehorsams.

Zeit
Die Taube – ein Sinnbild des Heiligen Geistes – ist ein scheues Wesen. Der Heilige Geist ist nicht ein Geier, der sich auf seine Beute stürzt, sondern eine feinfühlige, zurückhaltende und gleichzeitig kraftvolle Person. Demgegenüber bedrängt mich das Alltägliche und lässt mich nicht in Ruhe. Wer Führung durch den Heiligen Geist erleben will, muss deshalb lernen, mitten in den Aggressivitäten des Tages immer wieder still zu werden, um die feine Stimme des Heiligen Geistes überhaupt hören zu können.

Die «Stille Zeit» ist das klassische Übungsfeld dazu. Ich teile diese «Planungszeit» zu Beginn des Tages oft in drei Phasen ein: Loslassen (was hindert meine Freude an Gott?), Aufnehmen (Bibelstudium, Begegnungen/ Ereignisse des Tages im Gebet «durchgehen») und Anwenden (Konsequenzen überlegen und dann umsetzen). Eingebung erlebe ich dabei oft so, dass eine Aussage des Bibeltextes oder eine neue (alte) Erkenntnis für mich plötzlich wichtig werden. Oder: Im Hören auf Gott kommen mir manchmal Gedanken, die sich vom übrigen Ideen-Wirrwarr deutlich abheben.

In einem Volleyballspiel kann der Mannschaftsführer mitten im Spiel die Zeit «anhalten ». Er ruft seine Leute zusammen, macht sie auf Fehler aufmerksam und bespricht mit ihnen die Taktik für das weitere Spiel. Solche «Time-out»-Momente sind auch für mich wichtig, damit mein Leben nicht ohne Gott abläuft. Ich versuche deshalb, in Entscheidungssituationen still zu werden – und sei es auch nur für einige Sekunden. Meistens formuliere ich das Problem in einem kurzen Gebet und achte darauf, ob eine Antwort kommt. Ich gebe dem «Mannschaftsführer» so Gelegenheit einzugreifen, wenn er will. Das kann in einer Sitzung beim Formulieren eines Anliegens geschehen, im Zugabteil während einer hitzigen Diskussion oder unterwegs zu einem nächsten Termin.

Alle ein oder zwei Monate plane ich in meiner Agenda einen Stilletag ein. Am Morgen verlasse ich mein Zuhause und bin einen Tag lang zu Fuss unterwegs, sei es spontan in der unmittelbaren Umgebung oder nach einem bestimmten Plan. Ich habe so den Schweizer Jakobsweg in Tagesetappen erwandert und bin dem Lauf der Emme oder der Aare gefolgt. Zurzeit durchquere ich die Schweiz von Basel nach Chiasso. Dabei geht es nicht darum, lange Strecken zurückzulegen, sondern unterwegs auf den Heiligen Geist zu hören. Über Mittag faste ich. So muss ich die Wanderung nicht unterbrechen. Spätestens am Abend notiere ich mir dann die Eindrücke, die mich unterwegs beschäftigt haben.

Eingebung stellt sich nicht gegen den allgemeinen Willen Gottes, wie er in der Bibel offenbart ist. Der Heilige Geist widerspricht nicht sich selbst, wir aber öfter ihm. Das Reden Gottes hat immer aufbauende Wirkung, obwohl im ersten Moment durchaus auch falsche Vorstellungen zusammenbrechen können. So deckt der Heilige Geist Sünden wie zum Beispiel Unglauben auf12, und das ist oft unangenehm. Wenn dieses Prüfen aber zu Selbstanklage und Verzweiflung führt, ist nicht mehr der Heilige Geist am Werk, denn er will mich ja zu Jesus – und zu seiner Vergebung führen.

Einmal im Jahr gönne ich mir eine Stillewoche. Von Montag bis Freitag ziehe ich mich in die Ferienwohnung von Freunden zurück. Morgens und abends esse ich eine einfache Mahlzeit, über Mittag lasse ich mich in einem Restaurant verwöhnen. Dazwischen bin ich unterwegs oder arbeite halbtags an einem grösseren Projekt, für das ich unter dem Jahr keine Zeit finde. Das Lesen und Bedenken der «Losungen»5 ist in dieser Zeit tiefgründiger, die Eindrücke untertags oder beim Arbeiten am Projekt sind meist deutlicher als sonst. Ich notiere mir, was mir klar wird oder baue die Erkenntnisse direkt ins Projekt ein. Die Informationen von aussen beschränken sich in dieser Woche auf das Lesen der Tageszeitung, das täglich einmalige Abrufen der Mails (ohne sie vertieft zu bearbeiten) und das Verfolgen der abendlichen Nachrichten im Radio oder im Fernsehen. Am Abend lese ich ein spannendes Buch, oft einen Krimi. Und zum Schluss des Tages folgt ein Gedankenaustausch mit meiner Frau am Telefon.

Material
Wenn Gott durch den Heiligen Geist mit mir redet, tut er dies nicht im luftleeren Raum. Er braucht meine offenen Ohren. Und nicht nur sie. Ich bin als ganze Person ein Gefäss, das er bei seinem Reden gebrauchen will. Als Schöpfer kann er letztlich alles benutzen, was er je geschaffen hat und heute noch schafft.

Diese «Materialsammlung» benutzt der Heilige Geist, um mich an etwas zu erinnern, das für eine Entscheidung wichtig ist6, oder er zeigt mir etwas überraschend Neues, das ich von mir aus vielleicht nie angepackt hätte.

Der wertvollste Schatz meiner «Materialsammlung » ist das bereits gesprochene Wort Gottes, die Bibel. Hier werden viele meiner Lebensfragen modellhaft aufgezeigt und beantwortet. Deshalb ist es wichtig, dass ich Gottes Wort möglichst gezielt in meinen eigenen Wortschatz aufnehme. Ich kann zum Beispiel die Hauptgedanken einer Predigt mitschreiben, in der Stillen Zeit hie und da Wertvolles notieren oder sogar einige für mich wichtige Verse auswendig lernen. Der Wert von Liturgien, die sich wiederholen, ist gerade in dieser Hinsicht nicht zu unterschätzen.

Christen haben viele Lieder. Einige davon sind vertonte Bibelverse, viele drücken Glaubenserfahrungen aus. Das bewusste Mitsingen und Beachten des Textes bereichert die persönliche «Materialsammlung». Oft geht es mir so, dass ich Gott eine Frage stelle und dann nach kurzem eine Melodie in mir anklingen höre. Manchmal ist der Text dieses Liedes eine Antwort auf meine Frage.

Verstand und Gefühl werden in den Händen Gottes oft zu einem Gefäss, das er für Eingebungen benutzt. Geistesblitze können tatsächlich vom Heiligen Geist kommen. «Ich habe ein gutes Gefühl dabei» kann mehr sein als eine subjektive Gefühlswallung. Es ist allerdings wichtig, dass ich diese Eindrücke genau prüfe. Der Glaube muss manchmal auch gegen das Gefühl oder den Verstand gewagt werden.

Wir können uns innerlich etwas bildlich vorstellen und träumen Nacht für Nacht. Die meisten Träume sind als reine Verarbeitung des Tages leicht erkennbar. Es gibt aber auch Träume, die deutlich in Erinnerung bleiben, oft auch rätselhaft sind oder sich wiederholen. Auch untertags können wir innerlich überraschend und klar ein Bild sehen, das wir überhaupt nicht gesucht haben. Dies alles kann Reden Gottes durch bildliche Eingebung sein.

Auch Umstände, Erlebnisse und Begegnungen werden oft durch den Heiligen Geist inszeniert oder in Erinnerung gerufen. Meine Frau muss öfters an bestimmte Personen denken. Sie hat sich angewöhnt, jeweils für sie zu beten oder sie sogar anzurufen. «Du rufst mich immer an, wenn es mir schlecht geht», heisst es dann oft.

Zur Materialsammlung gehört letztlich die ganze Schöpfung Gottes. Sie ist Gestalt gewordenes Wort Gottes8, das bis heute gehört werden kann – sogar von Menschen, die wenig bis nichts von Gott wissen9. Aber auch die «Kultur » – all das, was der Mensch aus der Natur gemacht hat – kann zu uns sprechen. Dort, wo dies im Sinne Gottes getan wurde, ist dieses Reden aufbauend, im andern Fall kann es uns zumindest ermahnen. So hat mich der Schrei einer Krähe während eines Stilletages an das entsprechende Gedicht von Friedrich Nietzsche erinnert10 und mich damit auf die Frage verwiesen, die ich meiner Frau stellen musste: «Was bedeutet für dich Heimat?» Ihre Antwort zeigte mir, dass wir unser damaliges Hausprojekt im benachbarten Dorf fallenlassen mussten.

Korrektur
Es ist entscheidend, dass wir das Reden Gottes als «gereinigte Gefässe» erwarten. Wir können nicht bewusst an Sünde festhalten und zugleich Eingebung erwarten. Erst Vergebung macht hörfähig.

Bei der Beurteilung von Eingebungen muss auch unsere Persönlichkeit berücksichtigt werden, und die ist meistens sehr eigenwillig. Deshalb gilt: Lieber keine privaten «Visionen» verwirklichen. Die Korrektur durch andere Christen hilft mir, Eigenes zu unterscheiden von dem, was Gott will. Das Gold der Eingebung muss aus dem Umgebungsgestein des Subjektiven erst herausgelöst werden.

Je nachdem, wer mitbetroffen ist, kann ich zum Prüfen unterschiedliche Menschen beiziehen. In der Regel sind es die Christen, die mir am nächsten stehen – am ehesten also meine Frau oder der Zweierschaftspartner. Ich kann eine Eingebung auch dem Hauskreis vorlegen oder wichtige Fragen zusammen mit meinem Seelsorger prüfen. Dabei gelten die folgenden biblischen Prüfungskriterien:

  • Eingebung stellt sich nicht gegen den allgemeinen Willen Gottes, wie er in der Bibel offenbart ist. Der Heilige Geist widerspricht nicht sich selbst, wir aber öfter ihm.
  • Das Reden Gottes hat immer aufbauende Wirkung, obwohl im ersten Moment durchaus auch falsche Vorstellungen zusammenbrechen können. So deckt der Heilige Geist Sünden wie zum Beispiel Unglauben auf12, und das ist oft unangenehm. Wenn dieses Prüfen aber zu Selbstanklage und Verzweiflung führt, ist nicht mehr der Heilige Geist am Werk, denn er will mich ja zu Jesus – und zu seiner Vergebung führen.
  • Ein drittes Merkmal ist die Einheit der Prüfenden. Wenn meine Eingebung von allen in Frage gestellt wird, darf ich das nicht einfach in den Wind schlagen. Nach dem Prüfen gilt es, das Gute zu behalten13 und nicht gleich alles zu verwerfen. In einem Gottesdienst hörte ich eine sprachliche Eingebung, die von grammatikalischen Fehlern durchsetzt war. «Spricht denn Gott kein korrektes Deutsch?», fragte ich mich. Unterdessen habe ich gelernt, zwischen Gefäss und Inhalt zu unterscheiden und lasse mich von Äusserlichkeiten nicht mehr so rasch abhalten, Eingebungen ernst zu nehmen.

Gehorsam
Nach dem Prüfen gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  • Von Gott kommt eine eindeutige Antwort. Nun gilt es, damit Ernst zu machen. Erst das Resultat wird letztlich zeigen, ob ich genau zugehört habe.
  • Im zweiten Fall höre ich nichts von Gottes Reden. Es kann sein, dass Gott mir nichts Neues zeigt, weil ich auf frühere Eingebungen noch nicht eingegangen bin. Das wäre zu prüfen. Aber auch wenn alle Bedingungen für Eingebung erfüllt sind, kann es sein, dass Gott schweigt. Er lässt mich allein entscheiden. Wenn es die Situation erlaubt, kann ich warten, bis ich mehr weiss. Im andern Fall beachte ich den allgemeinen Willen Gottes und tue das Nächstliegende.
  • Schliesslich gibt es Zweifelsfälle: War das Gottes Stimme oder ist dies nur meine Lieblingsidee? Hier würde ich je nach persönlicher Veranlagung entscheiden. Ein Draufgänger sollte die vermeintliche Eingebung eher zurückstellen und warten, bis sie klarer wird. Zurückhaltende hingegen dürfen handeln und sehen, ob sich die Eingebung im Ergebnis bestätigt.

Führung durch den Heiligen Geist verlangt in jedem Fall vertrauensvollen Gehorsam. Wer den Willen Gottes nur wissen, aber ihn nicht tun will, wird mit der Zeit taub werden für Gottes Stimme. Ich kann mich auch so stark auf spezielle Eingebungen konzentrieren, dass ich den allgemeinen Willen Gottes – die Bibel – vernachlässige. Dies führt zu Schwärmerei.

Lernschritte tun
Es ist packend zu lesen, wie Gott Menschen führt, sei es in der Bibel oder in der heutigen Zeit. Trotzdem dürfen wir uns mit den persönlichen Führungen anderer nicht einfach identifizieren. Ausserbiblische Biografien heben oft nur die Höhepunkte hervor und verschweigen die Durststrecken dazwischen. Zudem ist jeder von uns ein Original, aus dem Gott etwas ganz Besonderes formen will.

Der Heilige Geist führt uns in der Regel wachstümlich, Schritt um Schritt: Ich horche und Gott zeigt etwas Neues. Darauf gehorche ich und nehme dabei Korrekturen ernst. So lerne ich immer besser, die Stimme des Heiligen Geistes von Nebengeräuschen zu unterscheiden. Und kann mich weiter auf den Weg machen – als Jünger von Jesus, der mich in seine Nachfolge gerufen hat.

( © Online-Redaktion ERF Medien)
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