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Adventsaktivismus oder Adventsstimmung?

Vier brennende Adventskerzen
(c) Myriam Zilles/Unsplash
15.11.2021
Zeit für Besinnlichkeit? Fehlanzeige!
 
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Romantisch beleuchtete Häuser und Gärten, gemütliche Stimmung in weihnächtlich dekorierten Wohnzimmern, der Duft nach frisch gebackenen Weihnachtsguetzli wabert durch sämtliche Räume … Ich liebe den Advent! Zumindest in meiner Vorstellung. Da ist er entspannt. Geruhsam. Besinnlich.

Jahr für Jahr läuft dann aber alles ganz anders. Statt besinnlich und gemütlich, sind die Wochen vor den Feiertagen oft die stressigsten Wochen im gesamten Jahr.

Und das sowohl beruflich als auch privat. Als christliches Medienunternehmen wollen wir unserem Publikum ein vielseitiges, weihnachtliches Programm präsentieren. Eine wunderschöne, aber auch intensive Aufgabe! Und der bevorstehende Jahreswechsel bringt ebenfalls verschiedene Herausforderungen mit sich. Projekte müssen abgeschlossen werden, und die Planung für das neue Jahr läuft auf Hochtouren.

Zuhause werden derweil Adventskalender gebastelt oder besorgt, Geschenke koordiniert und organisiert und Guetzli gebacken. Die Kinder brauchen Unterstützung beim Basteln. Die Weihnachtsdeko muss hervorgeholt, allenfalls ergänzt und im Haus angebracht werden. Das eigentliche Weihnachtsfest wird vorbereitet, und sei es nur durch eine ausgeklügelte Menuplanung, die einerseits zeitlich machbar ist und andererseits niemanden in der Familie restlos frustriert. Und dann ist da noch ein Baum, der rechtzeitig besorgt werden muss.

Wenn alles Organisatorische erledigt ist, dann ist da ja auch noch das Geniessen … Weihnachtsmärkte, Samichlaus, Kerzenziehen, Adventsfenster, Schlittschuhlaufen auf dem weihnachtlich dekorierten Eisfeld, Weihnachtskonzert des lokalen Kinderchors, Krippenspiel in der Kirche, abendliches Bestaunen der Weihnachtsbeleuchtung in der Altstadt. Ein stolzes Programm, welches nur mit guter Planung überhaupt im Kalender Platz findet.

Und so bin ich Jahr für Jahr Ende Adventszeit etwas wehmütig, weil sich die erhoffte Adventsstimmung nicht so recht einstellen mag. Erst pünktlich zum Weihnachtsfest macht sich so etwas wie ein weihnachtliches Gefühl bemerkbar. Ich liebe die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr. Sie fühlen sich immer etwas an wie «aus der Zeit gefallen». Alle sind entspannt. Nach der grossen Völlerei an den Festtagen sind die kulinarischen Ansprüche klein. Gemütliches Beisammensein ohne viel Programm kann nach der grossen Reizüberflutung so richtig genossen werden. Wer arbeitet, lässt es ruhig angehen. Hat wieder Zeit für einen Schwatz in der Kaffeepause oder einen kurzen Spaziergang über Mittag. Und abends kommt bei mir Lust auf, einfach nur dazusitzen. Meinen Gedanken nachzuhängen. Vielleicht ein Kerzchen anzuzünden. Und darüber nachzudenken, weswegen wir eigentlich Weihnachten gefeiert haben.

Meiner Vorstellung von der idealen Adventszeit kommt die Altjahreswoche also erheblich näher als mein realer Advent. Vielleicht verlege ich den Advent diesmal also einfach auf diese Zeit? Oder – noch besser – ich suche einen Weg, um dieses Gefühl der Entschleunigung schon in der Adventszeit auskosten zu können. Denn wie ich schon sagte: Ich liebe den Advent!

( © Online-Redaktion ERF Medien)
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