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Wer bin ich?

Rote und blaue Belichtung eines Frauengesichts
(c) Joshua Fuller/Unsplash
20.09.2021
Können Sie diese Frage spontan beantworten?
 

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Von Michelle Boss

«Wieso klingst du am Radio so freundlich? So bist du doch gar nicht …» Das Feedback meiner Tochter sass. Einige Monate später begleitete dieselbe Tochter mich einen Tag lang zur Arbeit. Danach attestierte sie mir, ich sei dort wesentlich fröhlicher und lustiger als zu Hause. Ich musste mir eingestehen, dass sie vermutlich recht hatte. Eine
schmerzhafte Einsicht, dass ich in meiner Rolle als Mutter wohl nicht immer der Mensch bin, der ich gerne wäre.

«Wer bin ich?» Können Sie diese Frage spontan, ohne lang nachzudenken, beantworten? Ich persönlich finde problemlos eine recht gut passende Standardantwort. Sie besteht aus allgemeinen Zuschreibungen: Ich bin Ehefrau, Mutter von vier Töchtern, Journalistin, Publizistische Leiterin von Radio Life Channel und ERF Medien. Vielleicht würde ich auch meine Nationalität anführen, Hobbys aufzählen oder berichten, was ich gar nicht gerne mag. Es würde mir auch nicht allzu schwerfallen, ein paar Charaktereigenschaften von mir aufzuzählen.

Doch ist das alles, was es über mich zu sagen gibt? Was macht mich im Kern aus? Diese Frage scheint mir erheblich schwieriger zu beantworten. Die Antwort darauf fällt unterschiedlich aus, je nachdem worauf ich Gewicht lege. Ich könnte beispielsweise betonen, was mich antreibt. Wofür ich leidenschaftlich brenne. Was mich wütend macht. Was mich beelendet. Oder ich könnte darauf fokussieren, welche Werte mir wichtig sind. Welche Ziele ich verfolge. Welcher Mensch ich sein möchte.

Kürzlich stiess ich auf eine spannende Anleitung, wie ich mein persönliches «Mission statement» formulieren könnte.

Einen Satz, der klar definiert, wofür ich stehe, worauf ich fokussiere. Um ehrlich zu sein, bin ich an dieser Aufgabe kläglich gescheitert. Obwohl ich ein Mensch bin, der gerne analysiert, reflektiert, hinterfragt und sich durchaus auch viele Gedanken über sich selbst macht, kann ich zurzeit nicht klar definieren, worauf mein Fokus im Leben liegt. Nicht rollenübergreifend. Dafür ist in meinem Leben und in meiner persönlichen Entwicklung möglicherweise schlicht zu viel in Bewegung.

Und vielleicht ist das gar nicht so schlimm. Vielleicht ist auch das Teil meiner Identität, dass ich mich immer wieder von einer neuen Seite kennenlerne. Dass ich Überzeugungen über Bord werfe, Meinungen ändere, aber auch Unsicherheiten überwinde. Dass ich immer noch staunen kann über Aspekte meiner selbst, die mir bislang noch nicht bekannt waren. Dass ich aber auch entsetzt den Kopf schütteln kann über Untiefen, mit denen ich nicht gerechnet hätte.

Diese Entdeckungsreise zu meinem ureigenen Ich, die fasziniert mich. Es ist spannend, immer wieder neue Antworten auf die Frage zu finden, was mich im Kern ausmacht. Beruhigend dabei finde ich das Wissen, dass mir all das, was ich unter Umständen auf dieser Reise entdecke, keine Angst zu machen braucht. Denn auch wenn ich auf Untiefen stosse, auch wenn der unverstellte Blick auf mein Innerstes gelegentlich zutiefst schmerzt – dieser Mensch, den ich da sehe, den hat Gott genau so gewollt. Gott hat all das, was ich unter Umständen entdecke, längst gesehen. Und es hat ihn nicht abgeschreckt.

( © Online-Redaktion ERF Medien)
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