Logo

Den Frieden leben

Frieden stiften  |  (c) Fotolia
14.12.2018
Zur Jahreslosung 2019
 
In diesem Beitrag
Kategorien
Beitrag aus: antenne Januar 2019
Serie: DankBAR
Thema: Dankbarkeit
Beitrag

Weiterempfehlen

  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
 

Von Verena Birchler

Zypern ist ein Land, das mir ans Herz gewachsen ist. Und auch die Freunde dort haben mir viel vermittelt über das Land, das Paulus bereiste. Als ich im Herbst wieder da war, nahm mich eines Morgens Nicos zur Seite. Nicos ist einer unserer Reiseverantwortlichen für unsere Gruppen dort. Er zeigte mir ein Foto.

«Schau dir das mal an», sagte er zu mir. Auf dem Foto war ein altes, ziemlich verbeultes Schiff zu sehen. Na ja, dachte ich, was will er mir damit sagen? Er wird ja wohl nicht diesen alten Schrotthaufen kaufen wollen. Nicos war sehr bewegt. «Schau dir dieses Boot an. Damit sind Menschen über das Mittelmeer zu uns gekommen. Kinder, Frauen … wie schlecht muss es einem gehen, dass du ein solches Risiko auf dich nimmst!» Interessanterweise nimmt er nicht die bei uns eher bekannten Formulierungen in den Mund. Bei uns spricht man eher über die jungen Männer, und die bringt man dann gerne auch unmittelbar mit Verbrechen in Verbindung.

Nicos erzählt weiter. «Weisst du, diese Kinder, die sind in der Schule sehr schnell besser als unsere eigenen. Und weisst du weshalb? Weil wir unsere Kinder verwöhnen, weil sie alles bekommen. Diese Kinder haben einen schweren Weg hinter sich und sind dankbar. Natürlich gibt es auch andere, aber das sind die wenigsten.»

Mich überraschten die Worte von Nicos. Er ist sonst kein emotionaler Typ. Er gibt auch nie politische Kommentare von sich. Aber dieses Boot und die damit verbundenen Schicksale haben ihn offensichtlich bewegt. Seine Worte hallten in mir nach. Mir wurde bewusst, dass hier ein Betroffener über andere Betroffene spricht. Hier sprach ein ehemaliger Flüchtling über aktuelle Flüchtlinge. Nicos gehörte zu jenen, die als Folge des Zypernkonfliktes von einem Moment zum anderen flüchten musste. Mit nichts als dem, was er auf seinem Leib trug. Nicos war damals noch ein kleiner Junge. Zusammen mit seiner Familie mussten sie alles neu aufbauen und ihre Vergangenheit hinter sich lassen. Auch wenn er dieses Los mit vielen anderen geteilt hat, sind offensichtlich Erinnerungen in seinem Herzen, die heute viel Mitgefühl für Flüchtlinge auslösen. Der Wunsch nach Frieden ist sozusagen in seiner biografischen DNA verankert. Er weiss, wie es sich anfühlt, wenn man die alte Heimat verlassen muss und in eine unbekannte Zukunft flüchtet. Ich möchte diesen Moment mit Nicos nicht zu einer Diskussion über die Flüchtlingspolitik nutzen, sondern vielmehr darüber nachdenken, was Empathie bewirken kann. In der Jahreslosung 2019 werden wir aufgefordert, aktiv empathisch zu agieren.

Suche Frieden und jage ihm nach! Psalm 34,15
Viele von uns kennen die Jahreslosung. Das ist ein Vers, den die «Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen» jährlich bestimmt. In vielen Kirchen und Gemeinden ist es üblich, am ersten Sonntag des neuen Jahres ein persönliches Jahreslos zu ziehen. Gut, manche machen sich über diese Tradition auch lustig und nennen es «das Jahreshoroskop für Christen». Es ist aber sicher nicht falsch, sich während eines ganzen Jahres mit einem bestimmten Vers zu beschäftigen.

Die diesjährige Jahreslosung ist weit weg von einem «Jahreshoroskop». Die Suche nach Frieden sollte uns Christen täglich umtreiben. Der ganze Vers lautet in der Übersetzung von «Hoffnung für alle»: «Wendet euch ab von allem Bösen und tut Gutes! Setzt euch unermüdlich und mit ganzer Kraft für den Frieden ein!» Was für eine Aufforderung. Was für eine Herausforderung. Was für eine Überforderung. Denn wer von uns schafft es schon, sich voll und ganz vom Bösen abzuwenden, nur Gutes zu tun, und die ganze Kraft für den Frieden einzusetzen. Das schafft nicht mal die Regierung, die bekanntlich alles zum Wohl der Gesellschaft tun sollte. Im September 2018 schockierte der Bundesrat mit der Nachricht, die Kriegsmaterialverordnung dahingehend zu ändern, dass Waffenexporte in Bürgerkriegsländer geliefert werden dürfen. Der Aufschrei in der Bevölkerung war riesig. Jedem ist klar, dass man mit Waffen keinen Frieden schaffen kann. Dieses Hin und Her gibt es in der Weltpolitik zur Genüge. Jährlich wird in Oslo der Friedensnobelpreis verliehen. Bei manchen Preisträgern freut man sich, bei anderen fragt man sich … der Friedensnobelpreis bewegt sich zwischen Farce und Bewunderung. Aber etwas haben trotzdem alle Preisträger gemein: sie versuchten aktiv bestehende Missstände zu verbessern. Frieden zu bringen ist gar nicht so einfach. Vor allem beginnt Psalm 34,15 bei uns allen ganz persönlich.

Frieden finden in einer zerstrittenen Welt
Was gab es nicht alles für Friedensbewegungen, Friedensgesellschaften, christliche Friedenskonferenzen. Selber komme ich aus den Nachwirkungen der 68er-Generation. Bin aufgewachsen mit Slogans wie «Frieden schaffen ohne Waffen», «Make love not war», «Entrüstet euch», «Aufstehen! Für den Frieden ». Der Wunsch nach weltweitem Frieden, eine Utopie? Denn Macht, wirtschaftliche Gier, Rassismus und religiöser Fanatismus werden immer wieder Kriege auslösen.

Trotzdem können wir vieles tun, um Psalm 34,15 in unserem eigenen Umfeld zu verbreiten. Nicht nur der Psalmschreiber, auch Jesus hat uns in der Bergpredigt dazu aufgefordert. Während die Zehn Gebote die Minimalanforderungen für ein gutes Zusammenleben festhielten, gleicht die Bergpredigt einem Spiegel, in dem wir unser Leben, unser Verhalten und unseren Charakter erkennen. Auf dem Berg Sinai begann, was Jesus in der Bergpredigt vollendet hat. Während die meisten von uns mit den Zehn Geboten einigermassen klarkommen, werden die Worte aus der Bergpredigt doch zu einer unerreichbaren Herausforderung. Deshalb bin ich so dankbar für die Formulierung im Psalm 34,15. Sie macht uns Mut, dem Frieden nachzujagen. Das heisst nicht, dass wir perfekt werden. Dafür ist der Spiegel der Bergpredigt zu deutlich. Die Worte von Jesus fordern uns auf, unser eigenes Denken stets zu hinterfragen, den Frieden zu suchen. Frieden ist keine Bewegung, sondern eine Haltung von Menschen, die etwas bewegen möchten. Und die beste Voraussetzung dazu ist der eigene innere Frieden.

Frieden mit Gott
Erinnern Sie sich an das alte Lied aus dem 19. Jahrhundert «Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt»? Für das heutige Hörverständnis ein eher schwülstiges Lied. Aber es zeigt, wie stark «Frieden mit Gott» Menschen machen kann. Es war das Jahr 1871. Chicago wurde durch ein schweres Feuer fast vollständig verwüstet. Überliefert ist, dass bei diesem Unglück rund 300 Menschen starben und weitere 100’000 ihre Heimat verloren. Eines der vielen Opfer war Horatio Gates Spafford. Er verlor bei dieser Katastrophe sein gesamtes Kapital. Spafford hatte als Anwalt in Immobilien investiert. Alle wurden bei diesem Brand zerstört. Auch sein Sohn starb in diesem Inferno. Trotzdem setzt sich der Anwalt für die Menschen der Stadt ein, die ohne Wohnsitz, völlig verarmt und verzweifelt kaum mehr Hoffnung hatten. Zwei Jahre später will er mit seiner Familie nach England reisen, um von dort aus Europa zu bereisen. Spafford schickt seine Frau und seine vier Töchter mit dem Schiff voraus. Doch das Schiff kollidiert mit einem Segelschiff und sinkt. Dabei sterben seine vier Töchter, nur seine Frau überlebt. Was für ein Schicksal! Trotz allem hält Horatio Gates Spafford an Gott fest. Sein Friede mit Gott ist so stark, dass er später dieses alte Lied schreibt: «Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt.»

Jesus sagt in der Seligpreisung(Lukas 6,20-23), dass wir uns freuen dürfen über die Schwierigkeiten in unserem Leben. Über Armut, über Not, über Menschen, die uns hassen – am Ende werden wir glücklich sein in seiner Gegenwart. Die Umstände lassen viele Menschen verzweifeln. Wenn es uns aber gelingt, trotz allem im Frieden mit Gott zu sein, wird Jesus uns durchtragen. «Suche Frieden und jage ihm nach» heisst also zuerst, jage dem Frieden mit Gott nach.

Frieden mit mir
Manchmal sitze ich vor dem TV-Gerät und schaue entspannt, was da so kommt. Sehr viel Gutes! Aber manchmal frage ich mich, was all die Berichte über selbsternannte Influencer, Modepüppchen, Muskelprotze, Bachelors und Showstars sollen. Warum folgen Hunderttausende irgendwelchen Menschen in den Sozialen Medien? Menschen, mit denen sie nichts zu tun haben. Menschen, denen ihre sogenannten Followers völlig gleichgültig sind. Diese Entwicklung unterstützt die persönliche Entwicklung kaum. Wenn 20-Jährige schon Tausende von Franken für Schönheitsoperationen ausgeben, ist der Friede mit sich selber noch weit weg. Mit sich selbst im Reinen zu sein, setzt unglaublich viel Energie frei. Statt zu werden wie diese «Star-Sternchen-Promi- Influencer» ist es unglaublich befreiend, sich selbst zu entdecken. Jemand hat mal gesagt: «Alle Menschen werden von Gott als Original geschaffen, aber die meisten sterben als Kopie.» Alleine die Tatsache, dass wir von Gott geschaffen wurden, ist unglaublich. Ich hörte mal einem Vater zu, wie er sein kleines Mädchen wegen ihrer Sommersprossen tröstete. Sie war traurig, weil sie nicht so eine schöne, helle Haut hatte wie ihre Freundin. Der Vater sagte ihr: «Schau, diese Sommersprossen hat Gott für dich gemacht, weil er dich ganz besonders findet.» Ganz zufrieden war das Mädchen mit der Antwort nicht, aber es war ein Anfang zum Frieden mit sich selbst. Statt sich mit anderen zu vergleichen, bringt es uns mehr, wenn wir uns mit unseren Stärken, Fähigkeiten und unserem Potenzial auseinandersetzen. Und das nicht nur in jungen Jahren. Ältere Menschen fühlen sich zusehends nutzlos. Das wird auch oft von der vom Jugendwahn geprägten Gesellschaft gefördert. Aber wie definieren wir den nützlich und nutzlos? Unsere Gesellschaft bräuchte viel mehr Grossmütter und Grossväter. Wer pensioniert ist, hat meist noch viel Energie. Und vor allem viel Lebenserfahrung. So ein Mensch kann gar nicht nutzlos sein. Es gibt nichts Schöneres als Menschen, die mit Gott und sich selbst im Frieden sind.

Frieden mit meinen Nächsten
Jesus «haut» in der Bergpredigt noch ein weiteres, nicht zu erreichendes Ziel «raus». Er spricht von der Feindesliebe. Die Kurzfassung der Jahreslosung 2019 konkretisiert Jesus mit der Aufforderung, die Feinde zu lieben, jenen Gutes zu tun, die uns hassen. Jesus wünscht sich von uns, jene zu segnen, die uns Böses wünschen und für jene zu beten, die uns beleidigen. Wir sollen die andere Wange hinhalten, wenn uns jemand schlägt. Wenn uns jemand den Mantel nimmt, sollen wir ihm auch noch unser Hemd geben. (Lukas 6,27ff) Das ist schon ein ordentliches Paket an «Gutmensch», das uns Jesus da abverlangt. Dieses Programm konnten ja nicht mal die bisherigen Friedensnobelpreisträger einhalten. Und das ganze Friedensprogramm geht ja noch weiter. Die Bergpredigt ist voll mit unerreichbaren Zielen. Da kommen noch ganz andere Sätze. Jesus spricht von barmherzig sein wie sein Vater. Oder vom Geben: «Gebt was ihr habt, dann werdet ihr so reich beschenkt werden, dass ihr gar nicht alles aufnehmen könnt.»( Lukas 6,36ff ) Mit einigen anderen habe ich darüber diskutiert, weshalb Jesus eine Ethik aufstellte, die wir niemals einhalten können. Wir alle kennen zwar Persönlichkeiten, die uns mit ihrer Ethik beeindrucken. Denen gelingt es tatsächlich, in ihrem Umfeld immer wieder Konflikte zu lösen und Frieden zu verbreiten. Andere haben ein überdurchschnittliches Mass an Selbstlosigkeit. Die geben all ihr Gut und leben in der bescheidensten Hütte zufrieden und glücklich. Wieder anderen gelingt es sogar auf dem Sterbebett, anderen Mut zu machen und sie zu segnen. Aber ich kenne niemanden, der die ganze Bergpredigt lebt. In unserer Diskussion sind wir wieder beim «Frieden mit Gott» gelandet. Die Bergpredigt ist der Spiegel, der uns zeigt, wie sehr wir auf Gottes Gnade angewiesen sind. Wir versagen. Vielleicht nicht täglich, aber regelmässig. Und dann zu Jesus zu gehen, diesen Weg ans Kreuz, hilft uns: «Jesus, bitte vergib mir, wo ich heute negativ geredet statt gesegnet habe. Vergib mir, wo ich wider besseres Wissen Kleider gekauft habe, die durch unterbezahlte Menschen produziert wurden. Bitte vergib mir …» Und Christus vergibt, wo unsere Bitte ehrlich ist. Deshalb gefällt mir die Jahreslosung 2019 so gut. «Suche Frieden und jage ihm nach! » Das ist kein fertiges Friedensprogramm. Es ist ein Prozess, in dem ich mich und meine Beziehung zu Gott und meinen Mitmenschen weiterentwickeln kann. Auf diesem Weg wünsche ich Ihnen ein friedvolles neues Jahr.

( © Online-Redaktion ERF Medien)
Anzeige neu mobile
Elba | medium rectangle
10% Ihres Gartenauftrages | medium rectangle
Gartenplanung | medium rectangle
Ferien am Meer | Medium Rectangle | Kultour
Stapler-Service | Medium Mobile
Event | Event AG | Mobile Rectangle
LYN Workshops | medium rectangle
Anzeige
LYN Workshops | half page
Anzeige
Lynda Randle | leaderboard
ERF Medien, Witzbergstrasse 23, CH-8330 Pfäffikon ZH, Tel. +41 44 953 35 35, Mail erf@erf.ch
Glauben entdecken - Leben gestalten