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Dein Reich komme

Zum Vaterunser gehört auch die Bitte «Dein Reich komme». Eine eigenartige Bitte. Wir beten das so schnell, doch woran denken Menschen, wenn sie diese Worte beten? Ich wollte das wissen und machte mich auf ins Dorf. Ich traf verschiedene Menschen, die ich aus unterschiedlichen Begegnungen kannte. Von diesen wollte ich wissen, was sie denken, wenn sie «Dein Reich komme» beten.

Ich traf auf eine ältere Frau. Sie sass im Rollstuhl. Ein Bein war amputiert. Mit dieser Bitte war folgender Wunsch verbunden: «Dass ich endlich in dieses Reich gehen darf. Dann sieht man, wie es ist. Man macht sich ja so gewisse Vorstellungen.» Es ist normal, dass wir alle uns Gedanken zu Gottes Reich machen. Ein Mann meinte, mit schon fast fröhlichem Gesicht: «Unfassbar schön muss dieses Reich Gottes sein, das Schönste von dem, was man sich nur erträumen kann.» Wieder andere beschrieben dieses Reich mit Begriffen wie Liebe, Harmonie, Gesundheit. Am häufigsten wurde «Frieden» erwähnt.

Interessanterweise kam ein Begriff nie vor: «Gerechtigkeit!» Dabei legt die Bibel gerade darauf grossen Wert. Jesus erklärte: «Suchet zuerst Gottes Reich und seine Gerechtigkeit. » Reich Gottes und Gerechtigkeit sind ein Gleichklang. Später schrieb der Apostel Paulus an die christliche Gemeinde in Rom: «Das Reich Gottes besteht nicht in Essen und Trinken, sondern in Gerechtigkeit und Frieden und Freude im Heiligen Geist.» Damit brachte der Apostel «Dein Reich komme» auf den Punkt. Im Reich Gottes geht es nicht zuerst um mich, um mein eigenes Wohlergehen, ums Geniessen und mein Seelenheil. Es geht auch um das Leben anderer.

In humorvoller Weise machte ein Theologieprofessor auf diesen Sachverhalt aufmerksam. Er wurde gefragt, ob es ganz sicher sei, dass man die Geliebten im Himmel wiedersehe. Er meinte schmunzelnd: «Ja, aber die andern auch!»

Das Reich Gottes ist somit etwas, das vor uns liegt, jenseitig ist, auf das wir zugehen. Und trotzdem bitten wir: «Dein Reich komme.» Wir sagen zu Gott: «Komm in unsere Welt hinein.» Jemand fragte mich erschrocken: «Bitten wir um den Weltuntergang?! » Doch nach kurzem Nachdenken gab sie sich selbst die Antwort: «Nein, das kann doch Gott nicht wollen.» Nein, das will er nicht! Gott will nicht, dass wir den Weltuntergang herbeibeten. Das wissen wir spätestens seit der Sintflut und der Arche Noah. Jeder Regenbogen erinnert uns daran.

Wenn wir auf das Reich Gottes warten, sollten wir uns bewusst sein, dass es schon hier ist. Es ist mit Jesus in diese Welt gekommen! Es ist ein Reich voll Dynamit und Dynamik. Ein Reich, das unfaire Ordnungen aufsprengen und Menschen und ungerechte Systeme in Bewegung bringen will. «Reich» heisst es, weil es eben nicht nur um die persönliche seelische Wellness geht, sondern um das Wohlergehen der gesamten Schöpfung.

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