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Traum | (c) Fotolia

Gott schenkt uns das Träumen

Von Markus Züger

Träume sind Geschenke zum Auspacken. Die Traumwelt hält verschiedene, wunderschöne Facetten für uns bereit. Mit dem Träumen scheint es wie mit dem Leben zu sein: Entweder werde ich gelebt und durch Träume bestimmt; oder ich lebe und gestalte mein Leben, mit Einbezug meiner Träume! Dies kann ich umsetzen, indem ich meine Tag- und Nachtträume verstehen lerne und meine Wunsch- und Albträume reflektiere. Das geht einfacher als Viele sich vorstellen.

Träume deuten kann jeder Mensch
Wenn Träume in ihrer Vielfalt kompliziert oder zu schwierig zum Verstehen wären, dann könnten sie es ja kein Geschenk Gottes sein. Denn Gottes Geschenke sind weder kompliziert noch braucht es zum Öffnen dieser Geschenke eine besondere Intelligenz oder Ausbildung. Diese Erkenntnis hat mich überrascht und auch neugierig gemacht. Gerne nehme ich Dich mit auf diese Reise in die Traumwelt hinein. «Zur Nachtzeit, wenn die Menschen ruhig schlafen, in tiefem Schlummer auf den Betten liegen, dann redet Gott durch Träume und Visionen. Er öffnet die Ohren der Menschen, dass sie hören.» Ein gute Definition zu diesem Thema, zu finden im Buch Hiob in der Bibel.

Absturz an einem Felsen
Ich beginne mit zwei persönlichen Traumbeispielen: Während einer Phase in meinem Leben habe ich immer wieder geträumt, dass ich an einem Felsen hing, mit der Gefahr abzustürzen; und irgendwie kam ich nicht auf das Plateau dieses Felsens hinauf. Dies ist in dieser oder ähnlicher Form ein weit verbreiteter Traum. Als ich darüber nachdachte, wurde mir bewusst, dass ich mir in meiner Innenwelt nicht genügte: «Was ich leiste, genügt nicht», war oft meine innere Überzeugung. Mein Selbstwertgefühl und meine Identität waren zu stark von Leistung und Erfolg abhängig. Ich schaffte es nicht auf den Felsen meiner eigenen Ansprüche!

Dies gestaltete ich dann aktiv um, indem ich mir bewusst machte, dass ich immer mein Bestes zu geben versuche, dass ich viel Gutes bewirken kann und Gott mich so geschaffen hat, wie ich bin. Ich gestaltete durch diese Erkenntnisse am Tag diesen Traum um, und stieg in inneren Bildern auf den Felsen hinauf. Ich stellte mir dies immer wieder vor, wie ich dort auf diesem Felsen stehe und sagte mir, dass ich genüge. Dies hat meinen Selbstwert und meine Identität verändert; und auch meine Träume wurden anders und positiver.

Ein überraschender Traum
Ein zweiter Traum hat mich sehr überrascht, und später auch sehr geprägt: Ich träumte, dass ich als Jugendlicher einen Kilometerlauf lief und diesen wie gewohnt gewann. Danach – wie als zweite Episode – gab es diesen Kilometerlauf wieder, aber in Stafettenform, je zu zweit. Ich startete mit meinem Kollegen zusammen als Erster. Er liess mich stehen, was mich natürlich überraschte und stresste. Ich wurde immer langsamer und erlebte, wie eine Person nach der anderen mich überholte. Ich konnte sie zwar immer etwas begleiten, musste sie dann aber ziehen lassen. Schweissgebadet erwachte ich!

Bei gewissen Träumen brauchen wir das Gespräch mit Freunden, die uns auf die Sprünge helfen; denn wir haben ja auch blinde Flecken und Dinge, die wir selber nicht sehen. Bei diesem zweiten Traum benötigte es ein Gespräch mit einer guten Freundin von mir, und da wurde mir alles klar: Bis zu diesem Tag – ich war 33-jährig – ging ich immer wieder voraus (wie im Traum) und leitete Projekte und Menschen «von vorne» an. Dieser Traum zeigte mir auf, dass ich meine Lebensstrategie ändern sollte. Ich sollte vom Leiter, der vorausgeht, zum Coach werden, der immer wieder Menschen solange begleitet, bis sie selber gehen können. Also Menschen als Coach begleiten und dann ziehen lassen. Dieser Traum war sehr wegweisend. Es fiel mir zuerst auch nicht leicht, mich «zurückfallen » zu lassen und andere zu begleiten, statt vorne weg zu gehen und zu «gewinnen ». Ich erkannte aber bald, dass dies meine neue Berufung ist und spüre heute noch, wie genial und bereichernd dieses neue Lebenskonzept für mein Leben ist.

Träume deuten macht intelligenter
Träume können wir deuten; so wie wir ja auch reden und andere verstehen lernen können. Es ist lernbar – ein Üben, wie auch beim Reden. Zuerst einmal gilt es zu spüren, was uns an einem Traum vor allem beschäftigt oder überrascht. Dann geht es darum herauszufinden, was die entsprechenden Symbole oder Begebenheiten für uns bedeuten. Es gibt dabei nicht eine feste Symbolbedeutung. Symbole bedeuten je nach Situation und Person etwas anderes. Es kann hilfreich sein, im Internet oder in einem Traumbuch nachzulesen, was das entsprechende Symbol (Felsen, Abstürzen, Kilometerlauf, Stafette ...) bedeuten kann. Aber so wirklich klar wird es oft erst, wenn wir es aus unserem individuellen Erleben heraus interpretieren und verstehen. Beachte vor allem Dinge, die immer wieder kommen, oder die Dich überraschen und gefühlsmässig treffen.

«Einer der Nebeneffekte der Traumdeutung: Sie macht intelligenter. Das ist leicht nachvollziehbar, denn sobald man sich mit seinen Träumen beschäftigt, lässt man sich immer wieder auf neue Sichtweisen ein. Das macht unser Denken flexibler und unserem Gefühlsausdruck gibt es mehr Abstufungen.»¹

Lebe Deine Tagträume
Auch Tagträume sind für unser Leben sehr hilfreich. Sie sind eine der meistunterschätzten geistigen Aktivitäten unserer Seele. Klar macht es keinen Sinn, ein Träumer zu werden oder den ganzen Tag den eigenen Träumen nachzugehen. Doch als Ergänzung zum Alltag und zur Arbeit sind Tagträume sehr wichtig. Sie helfen uns, Abstand zum oft harten Alltag zu gewinnen. Sie schaffen in uns Kreativität und Entspannung. Sie zeigen uns auf, was uns fehlt oder was uns guttun würde. Sie öffnen uns neue Horizonte und geben uns neue Perspektiven. Jeder Tagtraum ist wie ein Spiegel der Seele. Lass ihn zu und überlege, was er für Dich bedeuten könnte. Was an diesem Traum ist umsetzbar, was musst Du lernen zu akzeptieren und loszulassen; oder was gilt es anzunehmen, auch wenn es unangenehm ist. Folgendes Gebet kann dabei eine Hilfe sein: «Herr, gib mir Kraft zu verändern, was veränderbar ist, gibt mir Gelassenheit zu akzeptieren, was nicht veränderbar ist, und gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.»

Lernen aus der Geschichte
In der Bibel finden wir sehr interessante Geschichten und Beispiele von Tag- und Nachtträumen oder inneren Bildern. Sehr wichtig für mich wurde z.B. der Traum von Petrus, in dem er aufgefordert wurde, unreine Tiere² zu essen. Er wehrte sich und wies darauf hin, dass es nicht richtig sei, solche Tiere zu essen. Da hörte Petrus wie Gott zu ihm sprach: «Erkläre Du nicht als unrein, was ich als rein erkläre.» Dies erlebte ich genau gleich – vor vier Jahren, und mutig ging ich den nächsten Schritt in meinem Leben.

Auch Josef, ein Mann, der von seiner Familie verraten wurde, erlebte wie Träume das eigene Leben prägen und leiten können. Fernab der Heimat wurde er zu einem einflussreichen Verwalter, nachdem er Träume richtig gedeutet hatte. Dadurch nahm sein Leben eine wunderbare Wende. Vielleicht bist Du auch in einer Situation, in der Dir Deine Träume wichtige Hilfen für Dein reales Leben geben möchten. Josef hat dank dieser Traumdeutung später Tausenden von Menschen das Leben gerettet und seinen Vater und seine Brüder wiedergefunden.

Albträume dienen uns
Albträume zeigen auf, wo Du von Dingen falsch geprägt wirst oder wovor Deine Seele noch Angst hat. Dies zu reflektieren, zu verstehen und umzuprägen kann Dein Leben auch verändern. Der Traum mit dem Felsen, an dem ich hing, ist ein Beispiel dazu. Es gibt noch viele weitere Beispiele. Verfolgungsträume z.B. zeigen auf, wovor Du noch davonläufst oder wovor Du Angst hast. Schaue dem ins Auge, was Dich scheinbar oder tatsächlich verfolgt und gehe dies aktiv an. Überlege Dir, wovor Du wirklich Angst hast, und wovor nicht. Präge dies um oder suche Dir Hilfe. Sei auch mit kleinen Schritten zufrieden – und gehe diese kleinen Schritte weiter, bis diese Verfolgungsträume aufhören oder sich ändern. Interessant sind auch Träume, in denen Du andere angreifst oder sogar umbringst. Dies kann Dir aufzeigen, wo Du noch unbewusste Aggressionen hast oder Negativem zu viel Raum gibst.

Wunschträume zum Leben bringen
Als oft sehr rationale Menschen wagen wir es meist nicht, Wunschträumen Raum in uns zu geben. Wunschträume sind aber – ähnlich wie die Tagträume – sehr inspirierend! Unsere Seele ist emotional intelligent und zeigt uns mit ihren Wünschen auf, was für uns hilfreich oder wertvoll sein könnte. Klar gilt es hier die sinnvollen, hilfreichen Wunschträume von den materiellen Wünschen, die vom Zeitgeist «Konsumieren – immer noch mehr» geprägt sind, zu unterscheiden. Mit etwas Überlegen spüren wir aber schnell, welche Wunschträume für uns wertvoll sind, und wie wir sie leben und erreichen können. Manchmal hilft es schon, das Bedürfnis hinter den Wunschträumen herauszufinden, um das Leben neu zu gestalten.

Hier ein paar konkrete Beispiele und was sie bedeuten können: Der Wunschtraum nach «nur noch schlafen können» kann beispielsweise Folgendes bedeuten: Mehr Entspannung suchen; weniger tun und ständig leisten oder sehen, wovor ich davonlaufen will. Mit der Zeit erreichst Du diesen Traum, im dem Du fast schon schlafend Dinge erledigen kannst und sie Dir einfach gelingen.

Der Wunschtraum reich zu sein: suchen, wo ich meinen inneren Reichtum noch nicht lebe; dankbarer werden für den Reichtum, den ich schon habe oder weniger mit andern vergleichen, die reicher sind als ich. So siehst Du immer besser, wie reich Du selber bist.

Der Wunschtraum nach einer Reise: Die Reise ins Innere antreten und mich selber entdecken; mehr Abwechslung ins Leben hineinbringen oder tatsächlich auf eine Reise gehen. Dies können auch Reisen zu andern Menschen sein, indem ich sie besser verstehen lernen kann.

Ich hatte einen solchen Wunschtraum: Einen Traum von einem Haus, etwas abseits gelegen, mit viel Umschwung und doch bescheiden, mit Wasser und sonst noch einigen Dingen. Ich wusste, dass es dies nicht einfach so gibt. So legten wir dies in Gottes Hände, mit dem kaum gewagten Wunsch(traum), dass dieses Haus an uns herangetragen würde. Ich glaubte dies nicht wirklich. Ich hoffte aber, dass dieser Traum in vielleicht drei bis sieben Jahren Wirklichkeit werden könnte und schrieb diesen Wunschtraum am 31. Januar 2015 in mein Gebetstagebuch. Fünf Monate später wurde dieses Haus tatsächlich – wie gewünscht – an uns herangetragen und nun wohnen wir in diesem Haus.

Zerstörte Träume lieben lernen
Nicht jeder Traum geht in Erfüllung. Das Leben besteht für uns Menschen immer aus Tag und Nacht, Leben und Tod, erfüllten Träumen und eben auch nicht erfüllten oder zerstörten Träumen. Je besser wir lernen, auch die zerstörten Träume ins Leben zu integrieren, sie anzunehmen und das Beste daraus zu machen, desto freier und entspannter werden wir. Dostojewski schrieb: «Liebe Dein Schicksal, denn es ist der Weg Gottes mit Deiner Seele.» Schicksal bedeutet vom Wortstamm her, dass meiner Seele (sal) etwas geschickt wird. Jedem von uns werden immer wieder angenehme und weniger angenehme Dinge der «Seele geschickt». Und oft sind es gerade die unangenehmen Dinge, die uns im Leben weiterbringen. So werden zerstörte Träume zu Chancen für unser Leben, die uns viel lehren. Ich habe dies persönlich schon mehrfach erlebt. Versöhnung mit Unangenehmem und scheinbar Zerstörtem kann Dein Leben sehr bereichern.

Dem Dankbaren gehört die Welt
Fast täglich gehen kleine oder grosse Träume in Erfüllung. Gesund sein, ein Lächeln erhalten, etwas Schwieriges lösen, Liebe erhalten, erfolgreich sein ... – dies sind erfüllte Träume. Freue Dich an Deinen erfüllten Träumen! Je dankbarer Du für Positives bist, desto eher vermehrt sich das Positive. Es verstärkt in Dir auch Träume, die erreichbar sind, und diese erfüllten Träume stärken Deinen Selbstwert und Deine Freude im Alltag. Du wirst entspannter, siehst immer mehr die Möglichkeiten, die Du hast, und so beginnst Du, diese umzusetzen und zu leben. Du entdeckst und eroberst Deine Innenwelt immer stärker und tiefer.

Letztlich wird immer wieder das grösser, was wir betrachten. Wenn wir all das Gute und Erfüllte in unserem Leben sehen, wird dies immer grösser und das Negative wird kleiner. Wie eingangs erwähnt, können wir so unser Leben gestalten und positiv prägen. Und da helfen uns sowohl Tag- wie auch Nachtträume, Alb- wie auch Wunschträume. Es geht darum, sie zu verstehen und sie zu nutzen.

¹ Zitat aus «Traumdeutung», Vollmar/Lenz, S. 8
² Bspw. Schweine, Reptilien, Schalen- und Krustentiere,
Würmer, Insekten.

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