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Käfer | (c) 123rf

«Ja, ich will»

Ein toller Käfer erzählt von seiner Fahrt durchs Eheleben

Von Sandra Meichtry

Sehe ich nicht umwerfend aus? Glanzpoliert von der Felge bis zum Aussenspiegel bin ich startklar für die flotte Fahrt durchs Eheleben. Von mir aus könnte die Reise nach «Bis-dass-der- Tod-uns-scheidet» jetzt einen Gang zulegen: Schliesslich ist die Handbremse gelöst, die Kupplung am Schleifpunkt und die Kolben schnurren geschmeidig. Aber: Wo bleiben meine Leute? Müsste die Trauung nicht längst vollzogen sein?

Meine Leute, das müssen Sie wissen, sind sehr verliebt. Wirklich: Sehr. Darum geben sie sich heute das Jawort. Aber hätten Sie gedacht, dass es noch ganz andere Gründe für die Ehe gibt als die Verliebtheit? Heute, auf dem Parkplatz neben der Kirche, habe ich einiges dazugelernt. Ehemalige Brautautos, Familienkutschen und Ehemobile hüten eben keine Geheimnisse, während sie in Parkfelder geschoben der Rückkehr ihrer Leute harren. Diese Gründe bewegen die Menschen zum verbindlichen «Ja».

Aus Überzeugung: «Wir gehören zusammen!»
Das «Ja» vor dem Partner und der Öffentlichkeit besiegelt die Freude, den einen wahren Partner gefunden zu haben.

Für das sicherere Gefühl
Trotz hoher Scheidungsraten: Die Hemmschwelle zu einer Scheidung ist höher als zu einer Trennung im Konkubinat.

Der guten alten Tradition zuliebe
Mama, Papa, Oma und Opa – sie alle waren verheiratet. Das war und ist gut so.

Aus Freude am rauschenden Fest
Und dem schönen Kleid. Und dem Ring.  Und dem feinen Essen. Und den unvergesslichen Momenten mit Freunden und Familie. Und den Fotos, die man für das nächste Fest wieder herauskramt. Und dem schmucken Brautauto, natürlich.

Der Ordnung wegen
Der Trauschein regelt das Familienleben und schafft Klarheit, auch gegen aussen.

Amore – Amour – Love – Liebe
Oder sollten wir hier eher von Verzauberung sprechen? Denn die tiefe, tragende Liebe wächst mit der Zeit und braucht Pflege, damit sie sich entfaltet. Aber so richtig verliebt sein ist schon ein prima Anfang.

Übrigens heirateten im Jahr 2014 41 900 Personen. Das sind etwa 5 Prozent mehr als 2013. Geschieden wird weiterhin, und das nicht wenig: Letztes Jahr endeten knapp 41 von 100 Ehen im Totalschaden. Dies nach durchschnittlich 15 Jahren.*

Ab in die Garage: Eheservice mit Garantieschein

Ich bin heilfroh, dass meine Leute sich für die Ehe mit Garantieschein entschieden haben. Den erhalten sie von Pfarrer Jaroslaw Duda in seiner Ehegarage in Bülach. Pfarrer Duda hat mich übrigens vor dem heutigen Tag auf meine Fahrtauglichkeit überprüft und für den Verkehr zugelassen. Und damit wir auch künftig auf der Spur bleiben, meine Leute und ich, checkt uns Pfarrer Duda einmal im Jahr durch. «In
den Service kommen», nennt er das.

Seit 2006 bietet der katholische Pfarrer Jaroslaw Duda die Ehe mit Garantieschein an. 15 Jahre soll das Ehebündnis mindestens halten, sofern die jährlichen Serviceintervalle genutzt werden. Und bis heute funktioniert es: Dudas Ehen halten.

«In den Service kommen», nennt er das.

Wieso aber eröffnet ein Pfarrer mit polnischen Wurzeln – der übrigens keine Ausbildung als Automechaniker mitbringt, aber ich vertraue ihm trotzdem eine Ehegarage? «Früher habe ich Paare nach der Hochzeit aus den Augen verloren. Wenn ich dann irgendwo gehört habe, dass ein Paar sich getrennt hatte, schmerzte mich das sehr. Ich fragte mich dann, ob ich etwas bei mir ändern kann, um tragfähigere Ehen zu schliessen», erinnert sich Duda. Dieser Gedanke mündete dann auch in die Initialzündung zur Ehegarage.

Jaroslaw Duda begleitet seine Paare von Anfang an, also bereits vor der Hochzeit. Schon während der Vorbereitung der Zeremonie nutzt der ambitionierte Eheschliesser die gemeinsame Zeit, die Partner mit ihren Ecken, Kanten und Vorlieben kennenzulernen. Selbst scheinbaren Nebensächlichkeiten nimmt er sich liebevoll an.

«Halleluja war dieses Jahr übrigens der Hit, den die meisten Paare gewählt haben für die Zeremonie. Vor 10 Jahren hallte Happy Day sehr häufig durch die Kirchengänge», bemerkt er mit einem Schmunzeln. Ich mag seinen sympathischen polnischen Akzent und seine ruhige Ausstrahlung. Ganz bestimmt greift er nach dem richtigen Werkzeug, sollte der Liebesmotor mal stottern. Egal, ob der Service fällig wäre oder nicht, Pfarrer Duda ist da: «Es ist wichtig, dass die Leute wissen, dass sie immer zu mir kommen können, wenn etwas schief läuft. Ich bin und bleibe neutral. Ich werde weder die Seite der Braut noch die des Bräutigams einnehmen, weil ich beide gleich gern habe.»




Einmal Rundumservice, bitte!

Noch läuft bei uns alles rund. Der Tank ist voll und die Drehzahl im grünen Bereich – nichts kann uns bremsen! Dennoch freue ich mich darauf, Pfarrer Duda in einem Jahr wieder zu sehen. Was mich dann wohl erwartet?

«Wir spielen Spiele, die Paare und ich. Das Ziel ist nämlich, dass die Eheleute selbst merken, wo Defizite sind und wie sie ihre Beziehung noch schöner gestalten können. Ich bin kein Lehrer – ich begleite.»

Da ist beispielsweise das Spiel mit dem Globus. Solange der Strom da ist, schwebt die kleine Kugel über der Plattform. Entzieht man ihr die Energie, knallt sie mit einem lauten Rums auf die Basis. Nichts leichter, als die Kugel wieder zum Schweben zu bringen, denken Sie? Ab mit dem Stecker in die Dose! Dann fliesst wieder quickt mit dem Bild des Globus ein Tipp für den Alltag, der bleibt.

Pfarrer Duda spielt auch Blinde Kuh. Oder eher «Ich seh’ etwas, was Du nicht siehst»? Dabei lotst der sehende Partner den anderen mit verbundenen Augen durch den Garten. Der führende Partner kommentiert den Weg und beschreibt was er wahrnimmt. Danach werden die Seiten gewechselt: Blind sieht und führt, ehemals sehend wird zum Geführten. Jaroslaw Duda erklärt den tieferen Sinn des Spiels: «Frauen nehmen die Welt anders wahr als Männer. Sie reden anders. Und bei diesem Spiel gibt es ganz oft das Aha-Erlebnis. Zum Beispiel der Baum, den die Frau als «gross» beschrieben hat, ist in den Augen des Mannes möglicherweise klein. Mann und Frau sehen das Gleiche, sie erleben das Gleiche – einfach anders. Aber allein das zu wissen, hilft schon weiter und sät Verständnis für die Wahrnehmung
des Partners.»

Ja, ja und nochmals Ja! Auch Jahre später

Welchen Routenkriterien sollte ein Paar denn folgen, um sicher in den Ehe-Himmel zu navigieren? Pfarrer Duda hat dazu eine Formel entwickelt: «Visionen ohne Aktionen sind Illusionen.» Oder in meine Welt transferiert: Der Traum von der Ferienreise ans Meer fällt ins Wasser, wenn niemand den Tank füllt. Duda doppelt nach: «Wenn es meiner Vision entspricht, glücklich zu sein oder eine schöne
Beziehung zu führen und ich nichts dazu beitrage, dann kann ich einpacken – das bringt nichts.» Der strohblonde Pfarrer blüht auf, wenn er über sein Herzensanliegen philosophiert. Ehe leben und entwickeln bedeutet Arbeit, davon ist er überzeugt. Aus seiner Sicht fahren Ehepaare sicher von Ja zu Ja, wenn sie folgende Punkte beherzigen:

Zeit investieren
Wir alle sind tagtäglich stark gefordert. Manche Stressfaktoren sind wenig beeinflussbar, wie zum Beispiel der Job. Anderes aber haben wir sehr wohl in der Hand: Ist es wirklich nötig, die Feier mit den Kolleginnen oder Kollegen dem Abend mit dem Ehepartner vorzuziehen? Stellt das Smartphone ohne unsere Daueraufmerksamkeit den Dienst ein? Planen Sie Ihre Ehezeit. Sie ist unendlich wertvoll. Wie wäre es zum Beispiel mit einem regelmässigen Ehe-Brunch, Ehe-Kaffeekränzchen oder einem Ehe-Apéro? Wenn Sie sich gerne in der Natur bewegen, machen Sie sich auf zum Picknick im Grünen.

Kommunikation pflegen
Kommunikation ist, wenn der Wortschwall aufs stille Wasser trifft? So oder ähnlich laufen viele Gesprächs-Monologe ab. Üben wir uns doch besser im Zuhören, Nachfragen und Verstehen. Und im Ausreden-Lassen.

Interesse zeigen
Hören Sie nie auf, neugierig zu sein: Lernen Sie Ihren Partner immer besser kennen. Wenn Sie den Entwicklungsschritten des Partners offen und interessiert gegenüberstehen, bleiben Sie in vertrauter Nähe. Sie leben miteinander und beieinander. Auseinanderleben ausgeschlossen.

Vertrauen schenken
Vertrauen bedeutet auch, den anderen anzunehmen, sich verletzlich zu zeigen und loszulassen. Kontrolle und Misstrauen säen bittere Gefühle, die schneller wuchern als Liebe gedeihen kann.

Vertrauenswürdig handeln
Die Kehrseite der Vertrauens-Medaille: Wem Vertrauen geschenkt wird, soll es nicht missbrauchen. Ein Grundprinzip, das erweiterbar ist: Behandeln wir andere so, wie wir selbst von ihnen behandelt werden möchten (Matthäus 7,12 ).

Nähe zulassen
Und zwar auf allen Ebenen: Körperlich wie auch geistig. Wirkliche, tiefe, aufrichtige Nähe braucht jedoch Zeit. Und damit blenden wir zurück zum ersten Punkt dieser Liste.

Dankbare Haltung bewahren
Wenn der Partner mal im Roten dreht oder Ihrem Elan zum Trotz auf der Bremse steht: Reissen Sie das Steuer herum und lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das Positive. Sobald Sie beginnen zu danken, geschieht in  Ihrem Herzen eine Verwandlung.

Realistisch bleiben
Wie viel Entwicklung darf ich vom Partner erwarten? Wo sind seine Grenzen, wo meine? Wir leben in einer Welt, die uns vieles als machbar und erstrebenswert vorgaukelt. Aber in den Herzen der Menschen bleibt eine tiefe Sehnsucht. Bleiben wir realistisch und erwarten nicht, dass unser Partner diese Sehnsucht stillt. Das vermag ganz allein unser Schöpfer.

Occasion oder wertvoller Oldtimer? Die Pflege macht den Unterschied

Da sind sie ja endlich, meine Leute! Schaut, wie sie sich freuen, mich zu sehen. Steigt ein, lasst uns losbrausen ins Eheabenteuer! Doch eine Bitte habe ich noch, ganz zum Schluss: Liebe Leute, bewahrt Euch diesen zärtlich-erfreuten Blick. Auch wenn in ein paar Jahren mit vielen Kilometern auf dem Tacho ein paar Dellen und Kratzer meinen Lack zerfurchen und mattes Scheppern von den zahlreichen Schlaglöchern auf den Lebenswegen erzählen: Späht nicht nach einem neueren Modell. Denn wir gehören doch zusammen. Für immer.

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