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Daniel Linder | (c) privat

Liebe, die nichts erwartet

Von Andreas Meier

«Etwas leisten, etwas sein, ist eine  Prägung, die ich erhalten habe. Und das  kann ja nicht falsch sein.» Diese Grundhaltung  zieht sich durch das ganze Leben  von Daniel Linder. Bis dadurch die Beziehung  zu seinem Sohn auf dem Spiel steht  und er merkt, dass er etwas ändern muss. 


Casa Immanuel vor zehn Jahren: Daniel  Linder blickt auf den Bildschirm seines  Handys. Seine Gedanken schweifen zu  seinem 9-jährigen Sohn. Dieser sitzt zur  gleichen Zeit in einem Klaviersaal. Als  Höhepunkt seines Klavierunterrichts darf er  ein Stück vor versammeltem Publikum  vortragen. Mit einem kurzen SMS möchte  der Vater seinen Sohn ermutigen: «Du  machst das gut. Ich bin stolz auf dich!» Doch  schon nach nur drei Wörtern muss er aufgeben.  Denn die Buchstaben verschwimmen  vor seinen Augen. Das Schreiben dieser  kurzen, ermutigenden Nachricht bringt ihn  völlig aus dem Konzept. Die tiefe Sehnsucht,  diese Worte einmal von seinem Vater gehört  zu haben trifft auf den Wunsch, es seinem  eigenen Sohn weiterzugeben. «Habe ich das  wirklich auch mal von meinem Vater gehört?  » Aber was man selbst nicht erlebt hat,  kann man auch nicht weitergeben. 

Beziehung zum Vater
Daniel Linders Vater war Chefredaktor des  Wirtschaftsteils bei der NZZ und überall  hoch angesehen. «Entspannt, unbeschwert  und spannend», so beschreibt Daniel Linder  seine Beziehung zum Vater. Dieser hat stets  viel gearbeitet und damit den sozialen  Aufstieg der Familie vorangetrieben. Für  Daniel Linder ist aber dadurch auch der  Druck entstanden, einen ähnlichen Weg zu  gehen. Leistung als Lebensmuster beginnt  sich durchzusetzen. Er studiert Jura und  arbeitet nebenbei an der Börse. Nach  seinem Studium landet er einige Zeit später  als Manager bei Orell Füssli, um am Ende  eine Anstellung bei Microsoft anzutreten.  In den Jahren dieser beruflichen Entwicklung  beginnt sich Daniel Linders Glauben  an Gott zu verändern. Er setzt sich mehr und mehr mit dem christlichen Glauben  auseinander und merkt, dass er bei Gott  keine Anerkennung durch seine Leistung  erhält. Was er von klein auf gelernt hat, trifft  auf einmal nicht mehr auf sein neues Bild  von Gott zu: «Ich habe erlebt, wie es ist,  geliebt zu werden, ohne etwas dafür zu tun.» 

Ein ungewöhnlicher Jobwechsel
Nach einiger Zeit wird ihm im ICF Zürich  eine Anstellung als operativer Leiter und  Mediensprecher angeboten. Daniel Linder  nimmt an. Trotz markanten Lohneinbussen  und nun vermutlich geschlossenen Türen  in seiner wirtschaftlichen Laufbahn. Er ist  am Punkt angekommen, sich langsam  loszulösen vom Lebensmuster, immer  Leistung für ein bisschen Anerkennung und  Liebe bringen zu müssen. 

Einige Jahre später: Es ist Zeugnisabgabe.  Daniel Linders Sohn bringt gute Noten mit  nach Hause. Stolz lobt ihn sein Vater: «Super,  was für Noten! Aber, weisst du, auch  wenn alles Einer drin wären, ich hätte dich  genau so lieb!» Dieser Satz kostet Daniel  Linder viel. Aber als er einige Tage später  nach Hause kommt, stellt sich ihm plötzlich  sein Sohn in den Weg. Umarmt ihn und  sagt: «Ich hab dich lieb!» 
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