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«Aus Zerbrochenem wurde Segen»

Die «ideale Familie» mit Mutter, Vater und Kindern ist seltener geworden. Zwei Drittel aller Familien in der Schweiz sind auseinandergerissene oder neu zusammengesetzte Familiengefüge. Hinter dieser Zahl verbergen sich immer persönliche Schicksale. Die Geschichten dazu sind oft geprägt von Schmerz, Wut oder Scham – aber auch von Liebe und wiedererlangtem Familienglück. Sabine und Phil R.* geben einen Einblick in ihre ganz eigene Familiengeschichte.

Eigentlich tönt ihre Geschichte fast perfekt: Durch eine christliche Partnervermittlung im Internet lernen sich Sabine und Phil kennen. Heute sind sie verheiratet und leben mit Lian und Miro in einem 4-Personenhaushalt. Perfekt? Nur fast. Denn Sabine und Phil sind beide geschieden. Beide bringen ihre Vergangenheit, ihre Verletzungen, ihre Sehnsüchte und je ihre zwei Söhne mit in die gemeinsame Beziehung.

Die Ehe mit seiner Ex-Frau sei mehr zweckmässig gewesen, sagt Phil rückblickend. «Ich war damals nicht gläubig und habe daher die Ehe auch nicht als Bund zwischen Gott, Frau und Mann angesehen. » Der 40-jährige hat aus erster Ehe zwei jugendliche Söhne, Sam (17) und Josh (16), die heute bei ihrer Mutter leben.

Auch bei Sabine, der Mutter von Lian (6) und Miro (4), hatte der Glaube in der ersten Ehe keinen hohen Stellenwert, obwohl die heute 37-Jährige an Gott glaubt. Ihr Ex- Mann teilte den Glauben nicht mit ihr und so waren andere Werte wichtiger. Die Ehen zerrütten sich, schliesslich kommt es bei beiden zur Scheidung. Für Sabine ist bald einmal klar, dass sie wieder einen Partner möchte. Sie kann sich eine Beziehung aber nur mit einem gläubigen Mann vorstellen.

«Für mich war die Zeit der Trennung einschneidend und lang. So etwas kommt ja nicht von heute auf morgen», sagt Phil rückblickend. In dieser Zeit interessiert er sich mehr und mehr für die Bibel. Vom Intellektuellen her hat ihn dieses Buch schon immer fasziniert, aber die Botschaft darin wird für ihn zunehmend zentraler. Er findet zum Glauben: «Ich musste im Leben immer für alles kämpfen, gratis gab es nichts. Bei Jesus bekomme ich plötzlich Liebe und Vergebung im Überfluss, umsonst! Das überzeugte mich.»

Die Beziehung von Sabine und Phil vertieft sich rasch, nachdem sie sich übers Internet kennengelernt haben. Sabine beschreibt rückblickend: «Verliebt, verlobt, verheiratet. Und das alles innerhalb von etwa eineinhalb Jahren.» Für die beiden ist die neue Beziehung ein riesiger Segen, den sie sich vorher nie erträumt hätten. Die gemeinsame Grundlage des Glaubens stärkt ihre Beziehung. Aber sie erleben die neue Konstellation auch als sehr herausfordernd. «In dieser kurzen Zeit so zusammen zu wachsen, erfordert Mut und Kraft. Es hat seine Zeit gedauert, bis jeder seinen Platz neu gefunden hat», sagt Phil.

Die Söhne haben auf die neue Beziehung unterschiedlich reagiert: Miro und Lian seien sehr gespannt und offen gewesen, erinnert sich Sabine. Als Phil bei ihnen einzieht, freut sich Lian riesig: «So schön, dann sind wir wieder eine Familie!» Die älteren Söhne von Phil verhalten sich zuerst zurückhaltend. Doch bei der Hochzeit sagt Sam fürsorglich zu Sabine: «Luegsch guet ufen!»

Wie erlebt ihr heute eure neue Beziehung?
Phil: Ich habe mit Sabine meine Liebe gefunden. Es gibt zwischen uns eine tiefe Verbundenheit, obwohl wir uns erst seit relativ kurzer Zeit kennen.

Sabine: Wir empfinden unsere Beziehung beide als riesigen Segen. Ich staune, dass aus unseren zerbrochenen Leben durch Gottes Hilfe wieder etwas so Segensreiches entstehen durfte.  

Empfindet ihr Schuldgefühle für eure Familiengeschichte?
Phil: Wir haben beide Schuldgefühle gehabt. Nach der Trennung glich mein Leben einem Trümmerfeld. In dieser Zeit kam ich zum Glauben. Ich durfte erfahren, dass Jesus mir mein Versagen, meine Fehler für die zerbrochene Ehe vergibt. Durch viele Seelsorgegespräche haben wir beide individuell die Vergangenheit aufgearbeitet.

Sabine: In der Trennungsphase hatte ich wirklich Zweifel, ob ich überhaupt beziehungsfähig sei. In dieser Zeit ist für mich der Glaube sehr wichtig geworden, ich habe Trost und Vergebung für meine Fehler bei Gott gefunden.  

Seid ihr mit eurer Familiengeschichte ausgesöhnt?
Sabine: Ja, heute sind wir das. Ich trage meinem Ex-Mann nichts mehr nach. Aber bis hierhin war es ein manchmal harter Prozess. Ich durchlebte alle Phasen der Trennung: Schock, Trauer, Wut – und schliesslich Vergebung.

Phil: Wir haben unsere zerbrochenen Ehen verarbeitet. Heute ist die Beziehung zu unseren Ex-Partnern wieder gut, aber sachlich. Wir arbeiten zum Wohl der Kinder zusammen.  

Welche Werte für eine Beziehung wollt ihr euren Kindern weitergeben?
Phil: Wir reden mit den Kindern ganz offen über unsere Beziehung, wir wollen transparent sein. Für Lian und Miro ist klar, wer ihr Vater ist.

Sabine: Heute können wir unseren Kindern punkto Beziehung biblische Werte vorleben und weitergeben. Früher war dies bei mir fast nicht möglich, da mein Ex-Mann nicht gläubig war. Sehr wichtig ist für uns, dass wir einander achten und wertschätzen. Dazu gehört auch, dass wir nicht abschätzig über unsere Ex-Partner sprechen.

Noch ist die Familiengeschichte von Sabine und Phil nicht fertig und das nächste Kapitel steht noch ganz am Anfang. Die beiden haben auch schon den Gedanken an ein gemeinsames Kind gehabt, dieser stehe im Moment aber nicht im Vordergrund, sagen sie. Seit dem Kennenlernen erlebten die beiden fortwährend Veränderungen: Heirat, gemeinsames Zuhause, berufliche Neuorientierung. In diesem Sommer steht nun auch noch ein Umzug an. Sabine und Phil wollen mit Miro und Lian zusammen ein neues Daheim beziehen, zusammen als Familie anfangen und sich einrichten. Diese Ereignisse müssen sich zuerst setzen: «Wir sehnen uns nach Ruhe in unserem Familienleben», sagt Phil und fügt an: «Auch positive Veränderungen brauchen Zeit zum Verarbeiten.» 
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Persönlich: Simea Schwab

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