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«Gott weinte mit mir»

Jahrelang – vom kleinen Kind bis ins Teenageralter – wird Manuela Seiler sexuell missbraucht. Sie verdrängt diese tiefschürfenden Erlebnisse, bis sie fast nicht mehr kann. Depressionen, Schlafstörungen – ihr Leben wird zum Überlebenskampf. Diesen gewinnt sie, nicht zuletzt auch dank der Musik.

Schon im Alter von etwa sieben Jahren komponiert sie das erste Lied. «Musik war bei mir zu Hause ein Teil des Alltags. Auf dem Schulweg dachte ich mir dann ein Lied aus – aufschreiben konnte ich das zwar noch nicht.» Seitdem sind mehr als hundert Lieder entstanden. In einigen verarbeitet Manuela Seiler auch ihre Missbrauchserlebnisse. In ihrem Lied «Offni Narbe» singt sie in der ersten Strophe «Ond eimol meh frogi me: Was bewegt en Mönsch, wo röcksechtslosen Seel verrisst, d’Träne doldet?» und im Refrain dann «Wörd alls devör geh, dass d’Träne chönte flüsse. Be erstarrt, cha nöm schnufe, d’Gfüel send tot.»

Singen statt reden
Inzwischen ist die junge Frau glücklich verheiratet und Mutter zweier Kinder. Und die Musik gehört nach wie vor zu ihrem Leben. Sie ist wie ein Ventil, durch das Manuela gleichzeitig Energie loswerden aber auch wieder tanken kann. «Lieder schreiben, das kommt bei mir einfach – es schreibt einfach Lieder». Während ihrer Therapie ist Manuela auch oft in einer kleinen, zur psychiatrischen Klinik gehörenden Kapelle. Auch dort entstehen neue Lieder – Lieder, die sie etliche Male singt. «Mir tat es gut, diese Lieder immer wieder zu singen – die Worte  auszusprechen, über die ich sonst nur sehr schwer reden konnte.»

Antworten finden
Während der Therapie setzt sie sich auch intensiv mit Gott auseinander. Aus ihrem Elternhaus kennt Manuela Gott als einen liebenden Vater. Trotzdem gibt es in der Klinik eine Zeit, in der sie zu Gott sagt: «Wenn ich an dich glauben soll – als einen liebenden Gott, einen Gott, den es interessiert, was mir passiert – dann muss ich Antworten bekommen.» Heute hat sie zwar keine Antwort auf das «Warum?» ihrer Erlebnisse. Aber die Frage, wo Gott in dieser schweren Zeit war, ist für sie beantwortet. Bewusst wurde ihr die Antwort beim Schreiben eines Liedes. Dort heisst es nun: «Ich war da und ich weinte mit dir. Es brach mein Herz, zu sehen wie du leidest.»

Eigene CD
Vor einiger Zeit erfüllte sich Manuela Seiler einen Traum, an dem sie während dreier Jahre arbeitete. Nun sind die zwölf eingängigsten Melodien und Texte aus ihrem grossen Repertoire auf einer CD vereint. «Wenn Gott einem etwas schenkt, was man besser kann als andere, dann soll man anderen Leuten etwas davon geben.» Viele Rückmeldungen bestätigen ihr, dass sie mit ihrer Musik anderen in schwierigen Situationen helfen kann. Und so singt sie auch: «Er lot di ned elei. Im Arm vo sim Ängel findsch es dehei.»

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