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Wie genau sieht Gott aus?

VON RUEDI JOSURAN

Die Kirchen sind voll mit Gottesbildern. In den orthodoxen Kirchen präsentieren sie sich völlig anders als in nüchtern gehaltenen reformierten Kirchen. Doch wie stellen Menschen sich Gott in ihren Gedanken und Herzen vor? Und wie werden unsere Gottesbilder geprägt? Das Thema Gott nimmt in unserer Gesellschaft immer mehr Raum ein. Nicht zuletzt auch durch die multikulturelle Gesellschaft werden wir mit neuen, anderen Gottesvorstellungen konfrontiert. Und umso diffuser wird das christliche Gottesbild. Vielleicht sind wir Christen mitverantwortlich dafür, dass über Gott so unterschiedliche Vorstellungen herrschen. Wenn wir über Gott nachdenken, geht es letztlich um Vorstellungen, Projektionen und unsere bisherigen Erfahrungen. Nicht selten wurde uns in unserer Kindheit Gott als «Big Brother» vermittelt: Als das grosse Auge, das alles sieht, durchschaut und dabei den hintersten Winkel der eigenen Intimität überwacht. Ein äusserst billiges, aber praktisches Erziehungsinstrument: Das Kind fühlt sich auch dann kontrolliert, wenn es – etwa auf dem Schulweg oder nachts im Bett – dem Blickfeld der Eltern entschwunden ist. Ein solches Gottesbild ist nicht nur entwürdigend, es behindert auch jede selbständige Entwicklung und jedes gesunde Wachstum. Viele Menschen sind von der Kirche oder auch von den Eltern verletzt worden. So haben viele Eltern das Gottesbild benutzt, um die Kinder klein zu halten. Selbstbild und Gottesbild hängen natürlich eng zusammen. Denn wenn ein Mensch sich selbst negativ sieht, dann hat er auch ein negatives Bild von Gott.

Sehnsucht nach einem befreienden Gottesbild

Ich merke, dass bei vielen Menschen eine grosse Sehnsucht nach einem anderen Gottesbild vorhanden ist. Es ist die Sehnsucht nach Freiheit und nach der bedingungslosen Liebe von Gott. Wir alle wünschen uns, so von ihm angenommen zu werden, wie wir sind. Diese Annahme ist noch viel tiefer als die menschliche Annahme. Dieses positive Gottesbild wird in den Kirchen und Gemeinden zwar auch gepredigt, wir hören heute mehr über den liebenden als über den strafenden Gott.

Trotzdem sind diese alten, krankhaften Gottesbilder noch sehr stark in den Köpfen und Herzen der Menschen. Und diese falschen Vorstellungen von Gott lassen gerade in ernsthaften Menschen Emotionen unbemerkt schwelen. Psychische Krankheiten sind dadurch vorprogrammiert. Wenn wir uns Gedanken zu Gott machen, über ihn sprechen und versuchen mit ihm zu leben, stehen wir sehr schnell vor dem Problem, dass wir Gott nicht wirklich beschreiben und begreifen können. Er ist nicht logisch erschliessbar. Unsere Vorstellungen von Gott sind bei aller Sorgfalt immer nur Annäherung an seine Wirklichkeit, ein Abbild, da wir als Geschöpfe den Schöpfer nicht begreifen können. Unsere eigene Wirklichkeit, welche wir mit unseren Sinnen und unserem Verstand wahrnehmen, kann die uns umfassende Wirklichkeit Gottes nicht wahrnehmen. Alle unsere Bilder stellen letztendlich nur etwas Vorläufiges und Unzulängliches dar. Trotzdem gehört das Schaffen von Bildern und Vorstellungen über unsere Umwelt zu unserem Menschsein und stellt einen unabdingbaren Bestandteil unserer Wahrnehmung und unseres Handelns dar.

Meine Biografie gestaltet mein Gottesbild

Bei der Entstehung von Gottesbildern prägen uns neben dem verfügbaren Wissen über Gott auch unsere Lebenserfahrungen. Diese können wie ein Filter dazu führen, dass bestimmte Wesenszüge von Gott bevorzugt und einseitig wahrgenommen werden – oder manche gar nicht. Ein Kind, welches beispielsweise ausgesprochen streng und hart erzogen wurde, kann
sich später als Erwachsener nur schwer vorstellen, dass Gott liebt und gütig ist. Unter Umständen wird Kindern als Erziehungsmittel mit einem richtenden Gott gedroht, so dass sie schon frühzeitig das Bild eines Richtergottes vorgelebt bekommen und dieses übernehmen.

Gott als Filmprojektion

Krank machende Gottesbilder entstehen dann, wenn ein Aspekt von Gott absolut über alle anderen gesetzt wird und damit das Bild von Gott einseitig und verzerrt wird. Dadurch kann es krankmachend wirken. Diese krankmachenden Gottesbilder entstehen meist aufgrund negativer, sehr grundsätzlicher Erfahrungen in der Kindheit zu Leben und Liebe. In der Folge können negativ erlebte Persönlichkeitsanteile der Eltern unbewusst auf Gott übertragen, das heisst projiziert werden. Es verhält sich wie bei der Projektion eines Films auf eine weisse Leinwand: Wir sehen dann nicht mehr die Leinwand, sondern nur noch den Film.  Wir nehmen etwas wahr – und doch ist es nicht die Wirklichkeit. Menschen glauben dann, Gott verhalte sich so, wie es ihren bisherigen Lebenserfahrungen entspricht. Dies geschieht alles unbewusst.

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