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«Heute ist mir der Mensch wichtig»

Von Rebecca Blatter

Flugzeuge bleiben am Boden, gestrandete Passagiere sind enttäuscht, frustriert – können das Grounding der Swissair kaum fassen. Der Flughafen Zürich versinkt beinahe im Chaos. Mittendrinn ist Yves Ettlin, damals Finanz- und IT-Chef einer Swissair-Tochterfirma.

«Ein Finanzchef, der kein Geld mehr auf dem Konto hat, ist wie ein Fussballer ohne Fussball. » So beschreibt Yves Ettlin seine Situation während des Swissair-Groundings im Jahr 2001. Über Nacht verschwinden alle seine finanziellen Mittel und er kämpft Stunde um Stunde, Tag für Tag ums Überleben der Firma. Um einen Totalabsturz zu verhindern, müssen Stellen gestrichen werden – eine Katastrophe. «Ich habe gelernt, dass man in gewissen Situationen Leute entlassen muss, damit es überhaupt weitergehen kann. Das macht es aber nicht einfacher. »
 
Während dieser turbulenten Zeit trägt ihn sein Vertrauen zu Gott. «Mir geht es um die Erhaltung der Arbeitsplätze», erklärt Ettlin. Doch das war während des Swissair-Groundings unmöglich. Yves Ettlin setzt sich dafür ein, dass nach Möglichkeit bei Ehepaaren nur eine von beiden Personen entlassen werden muss. «Schlussendlich muss ich entscheiden, was ich selbst ändern kann und was ich Gott abgebe – ich darf nicht zurücklehnen, aber vertrauen», ist er auch heute noch überzeugt.
 
In diesem Vertrauen wechselt Yves Ettlin seine Stelle und wagt einen Neustart. Er landet wieder in einer Kaderposition mit grosser Verantwortung für die Mitarbeiter. «Ich möchte als Führungspersönlichkeit ein Vorbild sein. » Trotzdem findet er sich immer wieder in einem Spannungsfeld zwischen dem Leben als Christ und seinem Beruf. Fragen wie «Sind Moral und Gewinnstreben nicht Gegensätze? » oder «Darf ein christlicher Unternehmer Mitarbeiter entlassen? » kommen immer wieder auf.
 
Den christlichen Glauben kennengelernt hat Yves Ettlin schon einige Jahre zuvor während einem persönlichen Grounding – einem Burnout. «Bis dreissig war ich erfolgssüchtig», sagt er im Rückblick auf die Zeit vor der Bruchlandung. Das Leben des damaligen Workaholics spielt sich im Geschäft ab – seine Gedanken drehen sich auch zuhause noch um die Arbeit. «Meine ersten drei Kinder habe ich kaum aufwachsen sehen – ich habe nur für die Karriere gelebt. » Turbulenzen lassen nicht lange auf sich warten und enden in einem Burnout. Im Nachhinein hat diese Erschütterung aber auch etwas Gutes: Yves Ettlin kommt zur Vernunft und startet neu durch. Dinge wie Liebe und Sozialkompetenz bekommen für ihn plötzlich einen ganz neuen Stellenwert. Er verbringt mehr Zeit mit seiner Familie – geniesst die Spaziergänge mit seiner Frau. Und auch bei der Arbeit ergeben sich öfters Gespräche, die über die Arbeit hinausgehen. «Heute sind mir Menschen wichtiger als Zahlen. »
 


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