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Familientipp: Sinn- und liebevoll bestrafen

Strafe muss sein – wirklich?
Persönlich glaube ich – ehrlich gesagt – nicht daran, dass Eltern ganz ohne den Einsatz von Strafen auskommen. Andererseits mag ich aber auch nicht einer Erziehung das Wort reden, die ihre Hauptaufgabe im Bestrafen sieht. Es macht mir keine Freude, lange Sündenregister zu führen und Strafen, die sich über Tage hinziehen, mag ich schon gar nicht. Wenn Gottes Güte jeden Morgen neu ist, wie es im Buch der Psalmen steht, dann sollte dies doch auch für meine Beziehung zum Kind gelten. Muss Strafe sein? Und, wenn ja, wann? Und in welcher Form?
 
Klar ist meiner Erfahrung nach, dass Strafen nur dann etwas bewirken, wenn sie selten, gezielt und der Persönlichkeit des Kindes entsprechend eingesetzt werden.

Selten
Je seltener Massnahmen eingesetzt werden, desto mehr Wirkung zeigen sie. Wir sollten Strafen nur dann einsetzen, wenn über die normale Kommunikation nichts erreicht wurde und das Kind sein Verhalten nicht verändert, obwohl es bereits logische Konsequenzen tragen musste.
 
Ein Beispiel: Das Kind lässt sein Fahrrad regelmässig irgendwo im Dorf stehen, statt es wie angeordnet im Keller zu platzieren. Obwohl es bereits mehrmals abends noch ins Dorf musste, um sein Fahrrad zu holen, ändert es sein Verhalten nicht. Eine mögliche Strafe wäre hier, dass Sie (ohne das vorher anzukündigen – es lebe der Überraschungseffekt!) das Fahrrad holen und es für eine Woche im Keller einschliessen. Dort bleibt es auch dann, wenn das Kind es «unbedingt» zu brauchen meint.
 
Wichtig ist, dass Strafen ohne viel Gerede rundherum, ohne Liebesentzug, Schimpfen oder das Kind «herunterzumachen» angewendet werden.
Es geht nicht darum, das Kind zu demütigen. Und auch nicht darum, dass wir mal wieder Dampf ablassen können, unseren Willen durchsetzen oder unser Image schützen können.
 
Gezielt
Wer straft, muss wissen, warum er das tut und welches Ziel er damit verfolgt. Selbstbewusstsein (sich der eigenen Motive, Gefühle, Ziele bewusst sein) ist notwendig, wenn wir nicht willkürlich, zu hart oder aus unseren Launen heraus strafen wollen. Die Reise ins eigene Herz und das Arbeiten an sich selber gehört zu den elterlichen Hausaufgaben und fördert unsere Persönlichkeitsentwicklung. Kindererziehung gehört nachweislich zu den besten Weiterbildungen überhaupt!
 
Der Persönlichkeit des Kindes entsprechend
Unser Ältester war ein sehr sensibles Kind, das bereits auf sanfte Massnahmen sehr kooperativ reagierte. Scharf angeschimpft oder allein in sein Zimmer geschickt zu werden war für ihn nicht hilfreich, sondern einfach nur beängstigend. Und auf keinen Fall die richtige Massnahme.
 
Die Zweitgeborene war das ziemliche Gegenteil: Willig liess sie Strafreden und Konsequenzen über sich ergehen, solange sie dabei unsere volle Aufmerksamkeit hatte. «Lieber negative Zuwendung als gar keine» war ihr Motto. Fünf Minuten allein im Zimmer bleiben zu müssen war eine «Strafe», die ihr deutlich mehr halfen, ihr Verhalten zu ändern.
 
Wer Strafen einsetzt, muss seine Kinder gut beobachten, denn Strafen, die nichts bewirken, härten das Kind ab oder machen es gleichgültig. Und Strafen, die übertrieben oder nicht der Persönlichkeit angepasst sind, schaden langfristig gesehen der Eltern-Kind-Beziehung. Das Kinderherz verschliesst sich erst, dann verhärtet es sich und irgendwann bricht die Kooperation ab. Kindererziehung artet dann häufig zu einer Art «Krieg» aus, bei dem beide Seiten immer bedrohlichere Waffen auffahren.
 
In solch einer Situation brauchen Eltern und Kind Unterstützung und «friedensfördernde» Massnahmen. Leider warten viele Eltern zu lange, bis sie sich Hilfe holen. Was sehr schade ist: Viele Probleme könnten mit bedeutend weniger Aufwand gelöst werden, wenn Mütter und Väter sich frühzeitig auf Unterstützung einlassen würden.
 
Oder es tritt die andere Situation ein: Die Eltern geben irgendwann auf. Für das Kind ist dies jedoch kein Sieg, sondern ein bedrohliches Signal. Es fühlt sich nicht geborgen und verunsichert. «Ich bin schwierig, unmöglich, ich stresse, nerve, überfordere meine Eltern.» Nach aussen hin mag das Kind stark und trotzig erscheinen, doch innerlich ist es haltlos, verängstigt und verzweifelt. Auch hier ist es angesagt, sich Beratung oder Hilfe zu holen.
 
Ein Hinweis zum Schluss: Strafen können hin und wieder durchaus angebracht sein, doch sie lösen unser Problem mit der Sünde nicht wirklich. Wie gut ist es da, sich als Familien immer wieder neu bewusst zu machen, dass Gott DIE Lösung für den Umgang mit der Sünde hat. Strafe musste sein, ja – leider.
 
«Die Strafe liegt auf IHM», schreibt der Prophet Jesaja, «damit wir Frieden haben, und durch seine Striemen wurde uns Heilung geschenkt.» Das gilt sowohl für Eltern als auch Kindern. Gott sei Dank!

(Text: Regula Lehmann)

Familientipp mit Elterncoach Regula Lehmann
Regula Lehmann, 1967, aus Herisau, ist Mutter von vier (bald) erwachsenen Kindern, Elterncoach und Autorin. Zudem ist sie Geschäftsführerin der «Elterninitiative Sexualerziehung».

Auf Radio Life Channel gibt sie Erziehungstipps und Ratschläge für die ganze Familie.

Regula Lehmann


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