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Natürliche Schönheit: Schmetterling | (c) photocase

Von Schönheit umgeben

Schönheit, so scheint uns, ist eine oberflächliche Angelegenheit. Hart umkämpft und so schnell wieder verblüht. Doch Schönheit geht auch tief: Sie berührt uns im Innersten, macht Zerbrochenes wieder heil und hilft uns, Schweres auszuhalten. – Zwei Studentinnen im Gedankenaustausch über das Geschenk der Schönheit und deren Potenzial, die Welt zu retten.

Zur Person: Rahel über Amy
Amy Douglas ist 21 Jahre alt und lebt in Wilen TG. Schreiben war schon immer Teil ihres Lebens. Nach dem Gymnasium konnte sie die Liebe zum geschriebenen Wort in einem Praktikum bei der Thurgauer Zeitung ausleben. Nun studiert sie Journalismus und Organisationskommunikation und arbeitet darauf hin, dass sie mit Schreiben ihr Brot verdienen kann. Amy sieht Schönheit an allen Ecken und Kanten: Im Funkeln des Sternenhimmels, im perfekten Zusammenspiel eines Orchesters, in der liebevollen Gestaltung einer Geburtstagskarte oder auch in den sorgfältig gewählten Worten eines Zeitungsartikels. Sie mag Musik, rundum glückliche Stunden mit ihrer Familie und die Vorfreude auf ihre Israel-Reise im Sommer

Zur Person: Amy über Rahel
Rahel Boller ist 23-jährig und lebt in einer WG in Pfäffikon ZH. Dass sie die Wohnung teilt, passt zu ihr: Auch sonst hat sie grosse Freude zu teilen, ganz nach dem Motto: Geben macht glücklicher als Nehmen. Sie studiert berufsbegleitend Journalismus und Organisationskommunikation. Daneben arbeitet sie in der Kommunikation einer Non-Profit-Organisation. Ihr ist es wichtig, dass ihr die Arbeit Freude macht und sinnvoll ist. Weil ihr vieles Freude macht, ist sie dementsprechend beschäftigt: Mit Leiten einer Jungschar, Fotoshootings oder Schreiben. Schönheit liegt für Rahel in den besonderen Momenten: einem Abend ums Lagerfeuer mit Musik und Freunden, zum Beispiel. Oder einem sonnigen Nachmittag mit einem Buch unter dem Apfelbaum.

Amy: Ist dir auch schon aufgefallen, dass wir Menschen oft den Drang haben, Schönheit zu bewerten? Gemeint sind Menschen, Gebäude, Kunst, Fotografien, Orte … Mir persönlich macht das sogar Spass! Zum Beispiel unser Fotokalender zuhause: Darin enthalten sind viele Bilder von unseren Ferien in Schottland. Wenn ich diesen Kalender durchblättere, wähle ich jeweils im Stillen aus, welches mir am besten, am zweitbesten und drittbesten gefällt. Machst du solche Bewertungen auch?

Rahel: Ja, gerade als Fotografin kenne ich das gut. Es fällt mir sehr schwer, Fotos nicht sofort zu bewerten und nach Fehlern oder Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. Die Menschen um mich herum haben es manchmal echt nicht leicht mit mir. Zum Beispiel blätterte ich mal durch das Hochzeits-Fotoalbum einer Kollegin und war lauthals empört darüber, dass der Hochzeitsfotograf einfach die Augenfarbe ihres Mannes retuschiert hatte, so dass diese auf dem Bild die gleiche Farbe hatten wie seine Krawatte. Meine Kollegin hatte das bis anhin noch nicht mal bemerkt. Wahrscheinlich hätte ich es deshalb besser für mich behalten. Aber ja, das Bewerten von schönen Dingen ist mir wohlbekannt. Was meinst du, weshalb wir dies tun?

Amy: Es scheint fast so, als ob wir in den verschiedensten Bereichen unseres Lebens nach Vollkommenheit suchen. Wir wollen – wie im Beispiel Wandkalender – das allerschönste Bild aussuchen. Und wenn wir es gefunden haben, hängen wir es dort auf, wo wir es möglichst oft sehen. Wir umgeben uns damit. Wenn wir eine Wahl haben, dann wollen wir das Schönste haben. Deshalb bewerten wir.

Rahel Boller: Menschen sehnen sich nach Schönheit – in allen Facetten. Und darin sind wir perfektionistisch. Aber irgendwie ist das ja auch toll, nicht? Schliesslich hat Gott sie erfunden! Er hat die ganze Schöpfung mit viel Liebe geplant und erschaffen: Das Wasser, die Erde, die Tiere und jedes einzelne Pflänzchen. Wieso hat er wohl so viel Aufwand in all die Details gesteckt? Was ist der Sinn davon, dass er alles mit einer solchen Vollkommenheit kreiert hat? Wirtschaftlich gesehen hat es, soweit ich weiss, keinen Sinn. – Doch Gott wollte es so, damit wir uns daran erfreuen können. Zuerst hat er die Welt in einer unglaublichen Schönheit erschaffen, dann die Menschen gemacht und ihnen einen Sinn dafür gegeben, die Schöpfung wahrzunehmen. Für mich spiegelt das auch das Wesen von Gott wider. Er ist ein Gott, der Schönes liebt und auch will, dass wir es geniessen können.

Für mich ist es deshalb ein Geschenk, dass wir nach Formvollendung streben. Klar, manchmal nimmt unser Streben überhand und wird dann zum Stress. Aber grundsätzlich ist es ein Privileg, dass wir Schönheit suchen, finden, aber auch selbst herstellen können. Zum Beispiel war ich gestern mit meiner Schwester im Zirkus. Diese Ästhetik der Akrobaten hat mich unglaublich fasziniert!

Amy: Und es ist ein Paradebeispiel dafür, dass wir uns nicht nur gerne mit Prächtigem umgeben, sondern auch selbst Teil davon sein wollen. Ein Akrobat, Tänzer oder Künstler stellt Schönheit her. Und das ist nur eine kleine Auswahl von vielen Möglichkeiten, dies zu tun. Die Wahrnehmung ist schliesslich sehr unterschiedlich und nicht für jeden am gleichen Ort zu finden.

Rahel: Ja, absolut! Manche mögen es gerne rosarot und glitzernd. Für mich sind diese zwei Eigenschaften ein Grund zur Flucht. Dafür kann ich mich für Dinge begeistern, die manch andere gar nicht speziell finden. Gestern beispielsweise sass ich am See, schaute nach oben und war ganz fasziniert davon, dass die Blätter der Birken unten weiss-silbern sind. Begeistert machte ich eine Kollegin darauf aufmerksam, die dafür nur ein müdes Lächeln übrighatte. Diese Vielfalt ist genau das, was unsere Welt ausmacht. Nur schade, dass Einzigartigkeit durch Faktoren wie Werbung teilweise verlorengeht. Das Schönheitsideal für unsere Gesellschaft ist ziemlich klar definiert.

Amy: Genau, und das führt zu Unzufriedenheit. Wenn wir von diesem Ideal abweichen, haben wir das Gefühl, nicht attraktiv zu sein. Hier hat das Bewerten einen negativen Aspekt. Denn ich glaube, dass wir Menschen grundsätzlich schön sein wollen und danach streben.

Rahel: Ja, klar wollen wir schön sein! Es ist ganz natürlich, dass wir nach Attraktivität streben. Meiner Meinung nach ist nicht das Bewerten das Negative, sondern dass wir alle dieselbe Schablone als Bewertungsmassstab benutzen. Wir wurden von den vorherrschenden Schönheitsidealen in Werbung, Filmen und in den Medien so beeinflusst, dass wir alle genau wissen, wie man aussehen muss, um in unserer Gesellschaft anerkannt zu werden. Das individuelle Ästhetik-Empfinden geht mehr und mehr verloren. Dabei wird für mich ein Mensch insbesondere durch seinen Charakter schön. Ich habe schon die Erfahrung gemacht, dass ich jemanden nicht als besonders attraktiv wahrgenommen habe, doch als ich diese Person und ihr Wesen näher kennengelernt hatte, fand ich sie wunderschön.

Amy: In diesem Zusammenhang habe ich eine weitere Beobachtung gemacht: Ich habe schon oft erlebt, wie sich Menschen dadurch – auch äusserlich – verändert haben, wenn sie Jesus nachfolgen. Das ist für mich eines der stärksten Zeugnisse für die Kraft unseres Glaubens. Wenn Menschen sich um ihre Nächsten kümmern, ehrlich und freundlich sind, Hoffnung verbreiten, geduldig sind – nicht, weil es ihnen leichtfällt oder weil sie von Natur aus so sind, sondern weil sie sich Jesus zum Vorbild genommen haben. Das berührt mich sehr.

Rahel: Das ist eine ganz andere Seite von Schönheit. Keine oberflächliche, sondern eine tiefliegende. Äusserliche Attraktivität erscheint uns oft oberflächlich, doch wahre Schönheit kommt von innen, sagt man. – Dem stimme ich zu.

Amy: Als ich jünger war, hatte ich manchmal das Gefühl, meine Liebe zu Schönem verstecken zu müssen, weil ich nicht oberflächlich wirken wollte. Dabei habe ich kunstvolle Dinge schon immer geliebt! Als kleines Mädchen hatte ich meine kleine Schätze-Sammlung, in der alles Platz hatte, was rosa und glitzernd war … Und genauso mochte ich es, mich selbst herauszuputzen. Doch es gab eine Zeit, da dachte ich, als Christin dürfe ich doch nicht für solch oberflächliche Dinge schwärmen. Inzwischen glaube ich aber, Gott sieht das anders. Er hat ja offensichtlich auch Freude daran. Kürzlich bin ich auf ein Interview mit Anselm Grün gestossen. Der deutsche Benediktinerpater hat ein Buch über Schönheit geschrieben. In dem Interview sagt er: «Schönheit ist etwas Heilsames. Schönheit wird die Welt retten und heilen.» Wenn das stimmt, muss sie noch viel mehr sein als etwas, das uns einfach Freude machen soll. Sie hat grosse Kraft.

Rahel: Das kann ich jetzt nicht ganz nachvollziehen. Wie sollte denn Schönheit die Welt retten und heilen?

Amy: Nun, Anselm Grün spricht davon, dass die Erfahrung von Gutem und Schönem notwendig ist, um dem Leiden der Welt entgegentreten zu können. Wenn uns das Sehen, Hören und Erleben von Schönheit hilft, die schlimmen Dinge auszuhalten, hat sie meiner Meinung nach schon eine gewisse Retter-Funktion.

Rahel: Ah, so meint er das. Etwas, was schön ist in dieser Welt, kann helfen, dass wir alles Leiden und den ganzen Hass auf der Welt aushalten können. Wie ein Gegenpol zur dunklen Seite. Ich stelle mir gerade vor, wie Gott bereits bei der Schöpfung der Erde vor seinem inneren Auge gesehen hat, dass auf der Welt einmal die dunklen Mächte herrschen werden und sich gedacht hat, dass er uns dafür zur Aufheiterung Blumen, Bäume und Tiere auf die Erde stellt.

Amy: All diese Dinge weisen zu ihm. Sie sind wie eine stete Erinnerung daran, dass wir auf Gott hoffen sollen. Durch Anselm Grüns Worte ist mir der Zusammenhang von Schönheit und Heilung bewusst geworden. Auch, dass ich dies schon selbst erlebt habe: Nach dem Tod eines geliebten Menschen bin ich oft stundenlang in den Wald gegangen und habe viel Musik gehört. Diese beiden Dinge waren zu jenem Zeitpunkt manchmal das Einzige, was mir wieder Luft zum Atmen gab. Es ist wirklich verblüffend – es klingt doch so simpel. Das Erleben von schönen Momenten ändert ja schliesslich nichts an dem Verlust. Aber irgendwie ist es etwas, das sehr viel Kraft hat und so Trost und neuen Mut spendet.

Rahel: Da tun sich völlig neue Welten auf! Wir können uns von der Schönheit in der Welt heilen lassen – ganz bewusst. Nicht jeder findet sie am selben Ort, aber es gibt sicher für jeden eine Art von Schönem, die seiner Seele gut tut und heilend wirkt. Mich lässt vor allem die Natur immer wieder staunen über die Grösse und Herrlichkeit von Gott. Und damit ist sie für mich wie der Knoten im Taschentuch – eine Erinnerung daran, dass Gott alles in der Hand hat: Die Blumenwiese am Waldrand, den Vogel in der Baumkrone und auch mich und all meine Lieben.

Nun gut, dann kann Schönes also jeden einzeln in gewisser Weise retten, aber wie die ganze Welt?

Amy: Die Welt retten, das kann – so sagt es die Bibel – am Ende nur einer: Jesus. Ich glaube, wenn wir uns von ihm inspirieren lassen und versuchen, ihm immer ähnlicher zu werden, hat das nachhaltigen Einfluss auf die Welt. Anselm Grün hat in dem Interview auch darauf aufmerksam gemacht, dass das Gegenteil von «schön» «hässlich» ist. Das war mir vorher auch schon bewusst. Aber es fiel mir das erste Mal auf, dass das Wort «hässlich» so ähnlich mit «Hass» ist. Wer etwas hässlich findet, der lässt seinen Hass zu und verdrängt damit die Liebe. Wir sollen – trotz allem Schlimmen – dem Hass keinen Platz in unseren Herzen geben. Mir ist schon aufgefallen, wenn ich umgeben bin von der prachtvollen Natur, kann ich nicht gleichzeitig voller bösen Gedanken und Wut sein. Es ist, als würde all das Wunderbare, das mich umgibt, dazu ermutigen, selbst innerlich wieder schön zu werden.

Rahel: Wir können also abschliessend festhalten, dass es durchwegs positiv ist, wenn wir uns ganz bewusst mit Schönheit umgeben: Um Kraft zu tanken, um von Freude erfüllt zu werden, um unser Inneres darauf abzustimmen und an die Herrlichkeit der Schöpfung anzugleichen – jeder dort, wo er sie persönlich am intensivsten erfährt. Ja, das ist wirklich ein grosses Geschenk von unserem Schöpfer.


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